Mordfall Sittensen : Gab es nur eine Tatwaffe?

Im Zusammenhang mit dem siebenfachen Mord im niedersächsischen Sittensen sind weitere Details bekannt geworden. Die Polizei ruft die Bevölkerung erneut zur Mithilfe auf.

HannoverDie abgefeuerten Todesschüsse beim siebenfachen Mord im niedersächsischen Sittensen stammen vermutlich alle aus einer Waffe, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Hannover. Offen sei allerdings, wer geschossen habe. Möglich sei auch, dass zwei Männer die Pistole in der Hand gehabt hätten. Die in der vergangenen Woche in einem Grünstreifen in Bremen gefundene Pistole mit Schalldämpfer sei keine typische "Killerwaffe", sondern von "kleinerem Kaliber".

Die Pistole sei nach der Tat in dem Grünstreifen offenbar versteckt worden, sagte der Sprecher. Der Hinweis auf den Fundort stamme von einem der vier inhaftierten Vietnamesen. Zurzeit werde die Waffe beim Bundeskriminalamt auf Spuren untersucht. Dabei werde nicht nur überprüft, ob alle am Tatort gefundenen Kugeln tatsächlich aus der Waffe stammen. Auch nach Spuren der Opfer werde gesucht. Da die Morde zum Teil "regelrechte Hinrichtungen" gewesen seien, könne etwa ein Haar von einem Opfer an der Mündung sein, sagte der Sprecher. Die kriminaltechnischen Untersuchungen könnten noch ein bis drei Wochen andauern.

Haupttäter gefasst?

Die 40-köpfige Sonderkommission "Lin Yue" geht davon aus, dass mit den beiden inhaftierten Brüderpaaren die Haupttäter gefasst sind. Es sei aber nicht ganz auszuschließen, dass es noch Mittäter gebe, die zum Beispiel Schmiere standen, sagte der Sprecher. Als Hintergrund für die Tat gehen die Ermittler von einem bewaffneten Raubüberfall aus. Es wurden Notebooks, Handys und Bargeld gestohlen. Der Sprecher bezeichnete die Tat als "unvorstellbar kaltblütig".

Schon kurz nach der Tat Anfang Februar waren zwei in Bremen lebende Vietnamesen im Alter von 31 und 33 Jahren festgenommen worden. Später konnten ein 29-Jähriger in Bremerhaven und ein 40-Jähriger in Bremen festgenommen werden. Gegen zwei der Verdächtigen erhob die Staatsanwaltschaft Stade bereits Anklage wegen siebenfachen Mordes und schweren Raubes. (mit ddp)