Mordprozess : Grausame Details von Hannahs Tod

"Lass mich laufen", soll Hannah gebettelt haben. Die 14-Jährige aus Königswinter wurde im August vergewaltigt und ermordet. Der mutmaßliche Täter beschrieb nun vor Gericht den Tathergang in allen Einzelheiten.

Frank Bretschneider[ddp]
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Aus Sorge vor möglichen Angriffen wurde der Angeklagte durch Panzerglas geschützt. -Foto: ddp

BonnEs ist ein gepflegter junger Mann, der sich da mit Anzug und Krawatte bekleidet auf die Anklagebank setzt. Der unscheinbar wirkende 25-jährige Zdenek H. ist der mutmaßliche Mörder der 14 Jahre alten Hannah. Der grausame Tod der Schülerin in diesem Sommer hatte die Menschen in der Region geschockt. Zum Auftakt des Mordprozesses vor dem Landgericht Bonn legt H. ein umfassendes Geständnis ab.

Hinter Panzerglas vor Übergriffen der Zuhörer im voll besetzten Gerichtssaal geschützt, schildert der homosexuelle junge Mann sachlich, nahezu teilnahmslos, was am Abend des 29. August geschah. Er lauerte Hannah an einer Straßenbahnstation zunächst auf und schleppte das Mädchen dann zu einem Firmenparkplatz in einen Bus, zu dem er als Fahrzeugpfleger Zugang hatte. Dort vergewaltigte und tötete er das Mädchen nach eigener Aussage. Als Tatmotiv gibt H. an, er habe einmal mit einer Frau schlafen wollen. "Ich hatte noch nie eine Frau", sagt er. Deshalb habe er einmal probieren wollen, wie das sei. Die Idee dazu sei ihm kurz zuvor während einer Radtour gekommen. Auf die Frage des Richters, warum ihm dazu nur eine Vergewaltigung eingefallen sei, findet der Angeklagte keine Antwort. Eine andere Idee habe er nicht gehabt.

"Ich habe ihr nicht in die Augen sehen können"

Auch den Verlauf von Hannahs qualvollen letzten Stunden schildert der Angeklagte emotionslos. Während der Vergewaltigung legte er dem mit Kabelbindern gefesselten und mit Klebeband geknebelten Mädchen sein Sweatshirt über das Gesicht: "Ich habe ihr nicht in die Augen sehen können", sagt H. Danach habe er Angst gehabt und eine Stunde gegrübelt, was er nun tun solle. Schließlich habe er "beschlossen, dass ich sie töten muss. Ich hatte Angst, dass sie mich verrät".

Er schleppte Hannah vor den Bus und stach mit einem Messer zwölfmal auf sein Opfer ein. Als er das Mädchen tot glaubte, nahm er ihr den Knebel ab. Als Hannah daraufhin anfing zu schreien, schnitt er ihr die Kehle durch. Dann wickelte er die Leiche in eine Decke und eine Plastiktüte und versteckte sie in einem Gebüsch, wo sie erst fünf Tage später gefunden wurde. Viele Zuhörer zeigen sich fassungslos über die Nüchternheit, mit der H. selbst grausame Details wie nebenbei feststellt. "Mein Gott", sagt eine Frau leise.

Gründe für die Tat bleiben unklar

Die Verteidigung versucht, das Tatmotiv näher zu ergründen. "Sie sind homosexuell und haben doch kein Interesse an Frauen. Was hat die Sache für Sie auf einmal so wichtig gemacht?", fragt der Anwalt des Angeklagten nach. "Warum gehen Sie einem Bedürfnis nach, das in Ihrem Leben noch nie eine Rolle gespielt hat?", will er wissen. Und warum habe H., wenn ihm das offenbar so wichtig war, sich nicht mehrfach an seinem Opfer vergangen?

Doch der Angeklagte erwidert dazu nur: "Ich wollte das so." Für den Vorsitzenden Richter ergibt sich daraus, dass H. noch "nicht selbst analysiert" habe, warum er die Tat begangen hat. Auf die Frage des Gerichts, ob er während der Tat auch an das Leid seines Opfers und deren Familie gedacht habe, antwortet H. mit einem kurzen "Ja", aber ohne ein sichtbares Zeichen der Reue. Doch Verteidiger Krechel merkt am Rande des Verfahrens an, dass er H. nicht für "in vollem Umfang gefühlskalt" halte.

Der 2004 aus Tschechien nach Deutschland gekommene junge Mann ist bisher weder hier noch in seinem Heimatland straffällig geworden. In Königswinter lebte er die zurückliegenden Jahre nach eigener Aussage mit einem mehr als doppelt so alten Mann zusammen. Bei einer Verurteilung droht dem 25-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Urteil wird für den 6. Dezember erwartet.

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