Mordprozess in Italien : Amanda Knox gibt nicht auf

Die Amerikanerin, die zu 26 Jahren Haft verurteilt worden ist, kämpft weiter. Der Vater des „Engels mit den Eisaugen“ spricht von einem Fehlurteil.

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Foto: dpaepa ansa

Perugia - Am Tag nach dem Urteil gegen sie und ihren Ex-Freund wegen Mordes und Vergewaltigung einer britischen Austauschstudentin gewann Amanda Knox ihren Kampfgeist zurück. „Ich bin verletzt, aber ich sterbe nicht, und wir müssen zusammenhalten und weiterkämpfen“, sagte die 22-jährige Amerikanerin nach Angaben italienischer Medien vom Sonntag bei einem ersten Treffen mit ihrem Anwalt im Gefängnis von Capanne bei Perugia. Der mit ihr verurteilte Raffaele Sollecito (25) sei hingegen weiterhin in einem besorgniserregenden Zustand, zitierten Medien seinen Verteidiger Luca Maori. „Ich fühle mich wie in einem Albtraum: Warum bin ich hier? Warum haben sie mich verurteilt? Ich habe nichts mit dieser Geschichte zu tun“, kommentierte der 25-jährige Arztsohn aus Bari fassungslos die richterliche Entscheidung. Sein Vater, Francesco Sollecito, spricht von einem „vorgeschriebenen Urteil, um den Fall so schnell wie möglich zu archivieren“. Auch die Familie Amandas will nicht klein beigeben. Die Verurteilten streben ein Berufungsverfahren an.

In einem der spektakulärsten Indizienprozesse Italiens waren Knox – der „Engel mit den Eisaugen“ und Sollecito in der Nacht zum Samstag zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden. Sie sollen die Britin Meredith Kercher grausam getötet haben. Das Opfer war am 2. November 2007 mit durchgeschnittener Kehle, halb nackt und mit 40 Messerstichen übersät in ihrer Wohnung in Perugia gefunden worden. Vor ihrem Tod war die junge Frau vergewaltigt worden.

„Das ist schlichtweg ein Fehlurteil des italienischen Justizsystems“, sagte Amandas Vater Curt Knox dem US-Fernsehsender ABC. Es handele sich darüber hinaus um ein „Versagen der Stadt Perugia (...) und Italiens als Ganzes“. Er frage sich, wie die Richter und die Geschworenen nach dem, was im Gerichtssaal an Indizien vorgelegt wurde, zu einem solchen Schuldspruch kommen konnten. „Amanda ist unschuldig, und wir werden weiterhin für ihre Freiheit kämpfen“, betonte die Familie.

In dem Verfahren sei nicht geklärt worden, warum es keinen Beweis dafür gebe, dass Amanda in dem Zimmer war, in dem Meredith so grausam ermordet wurde. Die Angriffe seitens der Medien auf Amanda hätten offensichtlich die Geschworenen beeinflusst, hieß es weiter. In den USA hatten TV-Sender in großer Aufmachung über das Urteil berichtet.

Immer wieder wurden offen oder zwischen den Zeilen Zweifel an der Unparteilichkeit des Gerichts und der italienischen Justiz geäußert. Eine Kommentatorin beim TV-Sender CNN meinte, wer in Italien über Geld und Einfluss verfüge, habe gute Chancen, von Richtern milde behandelt zu werden. Andere Medien meinten, die Indizien seien nicht eindeutig gewesen und ließen erheblichen Zweifel an der Schuld der Studentin zu. Die Familie des Opfers zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Schuldspruch. „Man kann nur einverstanden sein mit dem Urteil, das auf den im Gericht vorgebrachten Beweisen beruht, sonst gibt es ja nichts anderes“, erklärte Merediths Mutter Arline Kercher. dpa

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