Mordprozess : Mutter erdrosselt ihr Kind - fünf Jahre Haft

Heiligabend 2006: Nach einem Streit mit ihrem Ehemann erwürgt eine Frau in Erfurt ihren fünfjährigen Sohn. Die Richter werteten die Verzweiflungstat als Totschlag und verurteilten die Frau zu fünf Jahren Haft.

ErfurtDas Landgericht Erfurt sprach die Frau schuldig, nach einem Streit mit dem Ehemann am Heiligabend 2006 ihr einziges Kind erdrosselt zu haben. Die Anklage lautete ursprünglich auf Mord. "Die Angeklagte wird sich jeden Tag ihres weiteren Lebens mit dieser Tat auseinandersetzen müssen", sagte der Vorsitzende Richter Frieder Liebhart. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Frau hatte am Heiligabend dem Fünfjährigen Mund und Nase zugehalten und ihn mit seinem Halstuch erdrosselt. Nach Ansicht der Richter war dies ein doppelter Tabubruch, aber auch eine Verzweiflungstat. Gutachter hatten der 29-Jährigen, die dem Urteilsspruch weinend zuhörte, eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Ihre Steuerungsfähigkeit sei in der Tatnacht eingeschränkt gewesen. Das Gericht entsprach mit dem Urteil den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die beide für fünf Jahre Gefängnis plädiert hatten.

Schwere Depressionen

Staatsanwältin und Verteidiger beschrieben die 29-Jährige als liebevolle und fürsorgliche Mutter, die nicht die Anerkennung bekam, nach der sie sich sehnte - nicht in ihrer Kindheit und nicht in ihrer Ehe. Sie litt an schweren Depressionen. Als der Ehemann am 24. Dezember 2006 nach einem Streit die Wohnung verließ, habe sich die Situation zugespitzt, hieß es im Urteil. Aus Verzweiflung über ihre ausweglose Lage habe die Frau das Liebste getötet, was sie besaß - ihren fünfjährigen Sohn. Anschließend hatte die Frau versucht, sich selbst zu töten.

Die depressive Erkrankung der 29-Jährigen ist so schwerwiegend, dass sie weiter im Haftkrankenhaus Leipzig behandelt werden muss. Zur Urteilsverkündung wurde sie von einer Krankenschwester begleitet. (mit dpa)