Moskau : Unterirdische Bauarbeiten lassen Gebäude am Kreml absacken

Gerät der Kreml ins Wanken? Heimliche Bauarbeiten an einem dreigeschossigen unterirdischen Einkaufszentrum haben am Roten Platz ein Kloster und mehrere Kulturdenkmäler absacken lassen. Die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" spricht von einem handfesten Skandal.

MoskauIn Moskau hat eine russische Baufirma in Kremlnähe und am Roten Platz mehrere Denkmäler des Unesco-Weltkulturerbes mit illegalen unterirdischen Grabungen ins Wanken gebracht. Ein Klostergebäude stehe nun schief wie der Turm von Pisa, mehrere weitere Architekturdenkmäler aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie die Kommunikationsleitungen der Kreml-Machtzentrale seien gefährdet, berichtete die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" am Mittwoch. Den Angaben zufolge wollte die Baufirma im historischen Zentrum heimlich ein unterirdisches Einkaufszentrum bauen.

Baugenehmigung nur für Tunnelsanierung

Denkmalschützer hatten sich bei der Stadt beschwert. Nach offiziellen Angaben hatte die Baufirma nur eine Genehmigung, einen Fußgängertunnel zu sanieren. Stattdessen legte sie unter der Erde ein dreigeschossiges Einkaufszentrum mit rund 7000 Quadratmetern Fläche an. Die Zeitung bezeichnete dies als handfesten Skandal - in Russland ist kein Ort so gut bewacht wie das Zentrum von Moskau mit dem Sitz des Präsidenten im Kreml.

Kulturexperten beklagen seit Jahren eine Zerstörung architektonisch wertvoller Gebäude in der Hauptstadt zugunsten neuer kommerziell nutzbarer Bauwerke. Kritiker werfen der Stadtverwaltung vor, durch die Zahlung von Schmiergeldern jedes noch so absurde Projekt zu genehmigen. Der Bodenaushub war nachts abtransportiert worden. Durch das fehlende Fundament waren die Kulturdenkmäler abgesackt. Gegen die Baufirma wurde Anzeige erstattet. (peg/dpa)

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