Welt : Muhlis Ari kommt zu einer Gerichtsverhandlung nach München

Susanne Güsten

Cerkezköy ist weit weg von München. Muhlis Ari hat knapp 2000 Kilometer zurückzulegen, wenn er am Mittwoch aus der nordtürkischen Stadt zu einer Gerichtsverhandlung nach Bayern kommt. Für den 15-Jährigen ist der Flug eine Reise in seine Vergangenheit als Serienstraftäter "Mehmet". Auch gut 15 Monate nach seiner Abschiebung hat Muhlis Ari in der Türkei noch keine Wurzeln schlagen können und will zurück nach Deutschland.

Zunächst einmal muss er sich aber mit einem dreitägigen Besuch wegen eines Gerichtstermins begnügen. Das Münchner Verwaltungsgericht verhandelt am Donnerstag darüber, ob seine Abschiebung rechtens war. Am 14. November 1998 nach Istanbul gebracht, wurde Muhlis in ein Straßenkinderasyl gesteckt. Obwohl seine türkischen Verwandten es ablehnten, den Tunichtgut bei sich aufzunehmen, ließ sich das Leben in Istanbul für den Jugendlichen zunächst nicht schlecht an. Der damals 14-Jährige mit dem für türkische Verhältnisse exotischen Pferdeschwänzchen war eine Zeitlang sogar ein Star. Wegen seines Bekanntheitgrades heuerte ihn der Teenie-Sender Kral-TV als Moderator an.

Der Höhenflug war aber bald vorbei. Im Januar 1999 kündigte ihm Kral-TV, und einen Monat später flog "Mehmet" auch aus der Wohnung, die er mit einem Kumpel geteilt hatte. Muhlis kehrte der Großstadt daraufhin den Rücken. In dem rund 100 Kilometer nordwestlich gelegenen Cerkezköy hat er sich ein neues, ruhigeres Leben aufgebaut. Tagsüber arbeitet er bei einer Schildermacherei und abends in einer Bar, um seine Ein-Zimmer-Unterkunft zu finanzieren. Seine Arbeitgeber und Kollegen beschreiben ihn als fleißigen jungen Mann. "Mehmet" sagt, seine Lektion habe er gelernt, er fühle sich "genug gestraft". Er wolle in Deutschland "ein vernünftiges, normales Leben führen".

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