Mumien-Affäre : Die Haare des Pharaos

Ein Franzose, der gestohlene Haare von Pharao Ramses II. zum Verkauf angeboten hat, hat sich bei Ägypten entschuldigt. Wurden wirklich Teile der Mumie des berühmten ägyptischen Herrschers entwendet?

Grenoble - "Ich hätte nie gedacht, dass ich damit einen diplomatischen Zwischenfall verursachen könnte", sagte der 50-jährige Jean-Michel Diebolt im französischen Fernsehen. "Ich erkläre der ägyptischen Regierung meine Entschuldigung." Diebolt hat die mutmaßlichen Pharaonen-Überreste von seinem Vater erhalten, der sie als Forscher bei der Restaurierung der Mumie in Frankreich in den 70er Jahren untersucht haben soll. Die Stücke waren per Internet für jeweils mindestens 2000 Euro feilgeboten worden.

Der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass, hatte von einem "Skandal" gesprochen, wenn tatsächlich Teile der Mumie des berühmten ägyptischen Herrschers in Frankreich entwendet worden wären. Diebolt, der als Briefträger arbeitet, wurde am Mittwochnachmittag auf freien Fuß gesetzt, ohne dass zunächst Anklage erhoben wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte er sich der Hehlerei unterschlagener Gegenstände schuldig gemacht haben. Dafür müsse aber nachgewiesen werden, dass die Proben echt seien, sein Vater sie widerrechtlich unterschlagen habe und Diebolt selbst vom unrechtmäßigen Erwerb gewusst habe. Die Staatsanwaltschaft warnte davor, die Affäre aufzubauschen - es gehe bloß "um drei winzige Haar-Fragmente und Stücken von Binden".

Mumien-Proben wurden 1976 an mehr als 40 Labore geschickt

Unterdessen verdichteten sich die Hinweise, dass die Pharaonen-Haare echt sein könnten. Der Vizechef des französischen Atomenergie-Kommissariats, François Michel, sagte, die Mumie sei 1976 in Paris wegen fortschreitenden Verfalls behandelt worden. "Als sie aus dem Leichentuch geholt wurde, haben sich Haar- und Bindenfragmente gelöst und sind auf den Boden gefallen. Diese Fragmente wurden an rund 40 Laboratorien in Frankreich geschickt." Darunter habe sich auch eines in Grenoble befunden, in dem Diebolts Vater gearbeitet habe. Heute ist laut Michel unbekannt, was aus den an die Labore verschickten Proben wurde. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben