Musiker : Sänger Les Humphries gestorben

Nachdem aus seinem Comeback nichts wurde, lebte er zuletzt zurückgezogen in London. Jetzt wurde bekannt, dass der Musiker und Sänger Les Humphries bereits im letzten Jahr verstarb.

Christian Schröder
Les Humphries
Les Humphries. -Foto: dpa

Berlin Les Humphries ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der aus den siebziger Jahren bekannte Sänger bereits am 26. Dezember 2007 nach einer schweren Lungenentzündung an einem Herzinfarkt. „Mexico“, „Mama Loo“ und „Kansas City“ hießen die Hits der Les Humphries Singers, die mit ihrer Mischung aus Gospel-Inbrunst, Hippie-Folklore und Soul-Bässen die Tanzflächen zum Beben brachten. Innerhalb von kürzester Zeit mit vier Millionen verkauften Platten stiegen die Singers zu einem der erfolgreichsten Chöre der Welt auf. Wichtiger als die mit reichlich Hall aufgemotzten Lieder der aus drei Kontinenten stammenden Singers war ihr Aussehen: Fransenwesten, Schlaghosen, Miniröcke, Afrolook – mehr Flowerpower ging nicht. Les Humphries, der Anführer der bunt zusammengewürfelten, rund ein Dutzend Mitglieder umfassenden Truppe, war einen Moment lang so etwas wie Deutschlands größter Popstar.

Seine musikalische Karriere hatte Humphries, der 1940 in London geboren wurde, in der britischen Armee begonnen, bei der er als Bandmaster-Sergeant diente. 1966 ging er nach Hamburg, trat mit einer Beatband an der Reeperbahn auf und stieg als Organist bei Achim Reichels Gruppe „The Wonderland“ ein. 1969 gründete er seine Singers. Das Konzept war so schlicht wie genial: Humphries machte aus der Spiritualität schwarzer amerikanischer Kirchenchöre, ihrem frenetischen Jubeln und Klatschen, eine Party-Idee. An die Stelle gottesfürchtiger Frömmigkeit trat dabei die simple Forderung nach einer – so ein LP-Titel - „Singing Revolution“. Humphries residierte in einer 18-Zimmer-Villa in Hamburg-Blankenese, komponierte die „Derrick“-Titelmelodie und nahm ein Album mit Hildegard Knef auf. Bei den Mitgliedern seines Chors war er allerdings gefürchtet. Er zahlte nur geringe Gagen, sein Jähzorn war berüchtigt.

Nach einem verunglückten Auftritt mit dem Stück „Sing Sang Song“ beim Grand Prix Eurovision 1976 folgte der jähe Absturz. Humphries löste seine Singers auf, zog nach England und ließ sich von seiner Frau, der Sängerin Dunja Rajter, scheiden. Aus einem Comeback, das er immer wieder ankündigte, wurde nichts. Zuletzt lebte Humphries zurückgezogen in der Nähe von London. 

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