Welt : Muss Harry Potter wirklich sterben?

J. K. Rowling macht im Fernsehen eine Bemerkung. Zwei geliebte Figuren werden nicht überleben

Matthias Thibaut[London]

Das letzte Kapitel wurde schon vor Jahren geschrieben. Schon manchen düsteren Hinweis gab die Autorin auf das Ende ihrer großen Harry Potter Serie, wenn sich das Schicksal des Helden und seiner Freunde am Ende des siebten Bandes erfüllt und die endgültige Konfrontation Harrys mit seinem Gegner, Lord Voldemort bevorsteht. Doch nie war J.K.Rowling so deutlich wie in der britischen TV Talkshow „Richard and Judy“. Zum erstenmal deutete sie das tragische Ende des weltweit geliebten Zauberlehrlings mit der runden Brille an: „Eine der Hauptfiguren kommt noch einmal davon. Aber ich muss leider sagen, dass zwei sterben müssen, von denen ich eigentlich gar nicht wollte, dass sie sterben.“

Damit ist auch der Tod Harrys in den Bereich des Möglichen gerückt. Potter- Fans in aller Welt werden dem letzten Band mit umso größerer Spannung entgegenfiebern. Dabei setzt Rowling offensichtlich darauf, dass die jungen Leser mit ihrem Helden herangewachsen sind und schon etwas von der Tragik des Lebens ertragen können. Bei den beiden Namen auf ihrer Todesliste handle es sich um „stark geliebte“ Figuren, bestätigte die Autorin in dem Interview. „Es muss ein Preis bezahlt werden. Schließlich haben wir es hier mit dem reinen Bösen zu tun. Das Böse gibt sich ja wohl nicht mit Randfiguren ab. Oder? Das Böse geht auf die wichtigsten Charaktere los, oder doch zumindest ich tue das.“

Damit kommen für den Kreis der Todgeweihten, die Rowling mit der Allmacht einer Autorin ins Jenseits befördert, eigentlich nur Harry und seine treuesten Freunde, Ron Weasley und Hermione Granger in Frage. Bisher war klar, dass Harry in seinen Kämpfen gegen das Böse am Ende eines jeden Buches überleben würde. Schließlich ist die Romanfolge von vornherein als Septologie angelegt und die Fans wussten, dass der Held in der nächsten Folge wieder gebraucht würde.

Doch nun sind sechs Bände erschienen. Nach „Harry Potter und der Halbblutprinz“ wartet die Welt nun auf das große Finale. Der siebte Band wird vermutlich im nächsten Jahr erscheinen. Wann, sagte Rowling aber nicht. Die Arbeit gehe gut voran, „aber man weiß nie, wann man fertig ist“. Schon bevor der erste Band des Welterfolgs 1997 publiziert wurde, stand der Ausgang fest und das letzte Kapitel war geschrieben. Der Text liege sicher im Safe, allerdings habe sie ihn leicht verändern müssen, erklärte die Autorin und verriet, dass ihre 12-jährige Tochter Jessica – für die sie die Romane ursprünglich konzipierte – in der Schule regelmäßig nach Informationen über Harry ausgequetscht werde.

Nach Spekulationen von Potter-Fans, die jeden Hinweis in den dicken Büchern kennen, soll das letzte Wort des letzten Kapitels „Narbe“ lauten. „Ich kann sehr gut verstehen, was im Kopf eines Autors vor sich geht, wenn er denkt: ,Well, ich werde diese Figur umbringen, dann kann niemand anderes die Serie fortsetzen’.“ Viele Autoren hätten es so gemacht, zum Beispiel Agatha Christie mit ihrem Meisterdetektiv Hercule Poirot. An eine Rettung in letzter Minute und eine Fortsetzung der Serie denkt Rowling nicht im Traum – obwohl sie am Sonntag auf der großen Kinderparty der Queen im Buckingham Palace nach einer Potter-Lesung zugab, dass der Gedanke, von der Potter-Welt Abschied nehmen zu müssen, sie traurig macht. Über 300 Millionen Bücher mit den Abenteuern des Zauberlehrlings sind weltweit erschienen und die Autorin mag sich selbst wie in einem märchenhaften Roman vorkommen.

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