Welt : Muß Peter Graf wieder hinter Gitter?

Heute soll das Urteil fallen / Staatsanwaltschaft fordert knapp sieben Jahre Haft Mannheim (dpa/rtr).Muß Peter Graf wieder hinter Gitter? Nach 34 Verhandlungstagen wird am heutigen Freitag im Steuerhinterziehungsprozeß gegen Peter Graf und seinen einstigen steuerlichen Berater Joachim Eckardt vor dem Landgericht Mannheim das Urteil gefällt.Tochter Steffi Graf wird an diesem Tag weit weg sein.Die Tennis-Weltranglistenerste erholt sich in Melbourne von dem im verlorenen Achtelfinale bei den Australian Open erlittenen Hitzschlag. Der Prozeß hat nicht nur wegen der Prominenz des Vaters der weltbesten Tennisspielerin sondern auch wegen der teilweise ungeklärten Rechtslage bei der Besteuerung international tätiger Berufssportler besonderes Interesse in der Öffentlichkeit erlangt.Die offenen Steuerfragen werden wohl kaum mit dem heutigen Urteil geklärt, sondern in den kommenden Jahren die Finanzgerichtsbarkeit beschäftigen. Die Affäre hält die Öffentlichkeit seit Mai 1995 in Atem, als Steuerfahnder und Staatsanwaltschaft das Anwesen der Familie Graf in Brühl durchsuchten und vor allem, seit Peter Graf am 2.August jenes Jahres verhaftet wurde.Fünfzehneinhalb Monate saß er in Untersuchungshaft, dreizehneinhalb Monate der mitangeklagte Joachim Eckardt.Seit die Haftbefehle am 15.November vergangenen Jahres gegen Kautionen und Auflagen ausgesetzt wurden, folgten beide dem Prozeß sichtlich gelöster als zu Beginn. Die Anklage sieht ihre Vorwürfe, wonach Graf und Eckardt von 1989 bis 1993 gemeinschaftlich rund 42 Millionen Mark Einnahmen von Steffi Graf am Finanzamt vorbeischleusten und über 19 Millionen Mark Steuern hinterzogen oder zu hinterziehen versuchten, weitestgehend bewiesen.Sie stuft Grafs Steuerspar-Technik als "groben Eigennutz" ein, bewertet zumindest einen Teil als besonders schweren Fall und fordert deshalb sechs Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe Graf.Auf seine Veranlassung waren Werbeverträge auf in- und ausländische Gesellschaften aufgeteilt worden.Von Zahlungen aus dem Ausland erfuhr das Finanzamt nichts.Da Graf für 1989 und 1990 keine Steuererklärungen vorgelegt hatte, blieben bei Schätzbescheiden für beide Jahre wesentliche Werbe-, Turnier- und Kapitaleinkünfte außen vor, für 1991 bis 1993 wurden viele Einnahmen nicht angegeben. Die Verteidigung erkennt indessen lediglich einen Fall der einfachen Steuerhinterziehung und fordert eine Bewährungsstrafe plus Geldstrafe.Gar nur Gehilfenfunktion weist die Verteidigung Eckardts ihrem Mandanten zu.Im Verlauf des Prozesses hatte das Mannheimer Landgericht bereits angedeutet, daß eine Bewährungsstrafe für beide Angeklagten voraussichtlich nicht in Betracht komme.Ebensowenig sei allerdings mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe im oberen Bereich zu rechnen.

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