• Nach Brand mit 14 Toten: Verband fordert mehr behindertengerechte Rettungskonzepte

Nach Brand mit 14 Toten : Verband fordert mehr behindertengerechte Rettungskonzepte

Viele der 14 Brandopfer von Titisee-Neustadt starben wohl auch, weil sie behindert waren und sich nicht selbst retten konnten. Experten fordern nun behindertengerechte Rettungskonzepte. Auch die psychologische Betreuung lässt zu wünschen übrig.

120 Menschen arbeiteten insgesamt in der Einrichtung der Caritas.
120 Menschen arbeiteten insgesamt in der Einrichtung der Caritas.Foto: dpa

In Deutschland mangelt es in Einrichtungen Experten zufolge an behindertengerechten Rettungskonzepten. „In jedem Theater, in jedem Kino, in fast jedem Gebäude ist es so, dass die Rettung von Menschen mit Behinderung, insbesondere von Rollstuhlfahrern oder von gehbehinderten Menschen, schwierig und im Grunde genommen nicht geregelt ist“, sagte der Vorsitzende des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland (ABiD), Ilja Seifert, der Nachrichtenagentur dapd am Dienstag. Im Bereich der Flucht- und Rettungswege gebe es noch großen Handlungsbedarf. „Baulich wird zwar oft darauf geachtet, dass Menschen mit Behinderung in ein Gebäude hineinkommen, aber selten wird darauf geachtet, dass sie in Notfällen auch wieder hinauskommen“, fügte der behindertenpolitische Sprecher der Linken hinzu.

Verheerender Brand in Behindertenwerkstatt
14 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem Altar.Weitere Bilder anzeigen
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01.12.2012 17:4714 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem...

Die Behinderten, die die Brandkatastrophe in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt überlebt haben, müssen Seifert zufolge nun eine spezielle psychologische Betreuung erhalten. „Dort werden jetzt Psychologen gebraucht, die sich in die Psyche von Menschen mit Behinderung hineinversetzen können.“ Die Psychologen müssten in der Lage sein, auch mit Menschen kommunizieren zu können, die man als „geistig behindert“ bezeichne.
„Diese Menschen drücken sich anders aus als allgemein üblich. Dafür braucht es Experten, die diese Sprache sprechen“, sagte Seifert.

Denn es gebe in Behindertenwerkstätten auch Menschen, die nicht sprechen könnten oder - für Ungeübte - nur schwer zu verstehen seien.

„Die psychologische Betreuung kann nicht einfach darin bestehen, dass der Psychologe diesen Betroffenen nur etwas erzählt.“ Der Psychologe sollte auch hinhören können und dafür müsse man der Sprache dieser Menschen mit Behinderung mächtig sein.
Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt im Schwarzwald waren am Montag 14 Menschen ums Leben gekommen. (dapd)

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