Nach dem Beben in China : Freie Berichterstattung eingeschränkt

Der einzige deutsche Journalist in der chinesischen Erdbebenregion ist von den Behörden vorläufig festgesetzt worden. Der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung konnte seine Arbeit wieder aufnehmen - allerdings mit Einschränkungen. Was er aus dem Gebiet nahe des Epizentrums berichtet, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen.

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Schleppende Rettungsmaßnahmen. Nur langsam gelingt es, die Opfer zu bergen. Das Militär bewacht aber auch ausländische...Foto: dpa

Peking/WenchuanDer deutsche Journalist Henrik Bork ist am Donnerstag im Erdbebengebiet in Südwestchina von Sicherheitskräften festgesetzt worden. "Sie halten mich fest und haben drei Soldaten abgestellt, um mich zu bewachen", sagte Bork, der der einzige ausländische Journalist in dem Gebiet ist. Ihm seien seine Sachen und sein Computer abgenommen worden, berichtete der Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" telefonisch. Die Militärs sagten, seine Sicherheit könne nicht gewährleistet werden. Dagegen könnten zwei Dutzend andere chinesische Journalisten in Yingxiu unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen, sagte Bork.

Nach längeren Diskussionen habe er dann aber seine Arbeit zumindest eingeschränkt fortsetzen und Verletzte sprechen können. In einem achtstündigen Fußmarsch über zerstörte Bergstraßen war Bork am Vortag bis in den schwer zerstörten Ort Yingxiu im Landkreis Wenchuan gelangt, wo das Epizentrum des Erdbebens mit der Stärke 7,8 auf der Richterskala am Montag gewesen war.

Auf den zerstörten Bergstraßen, die durch Erdrutsche unpassierbar waren, standen von Felsbrocken zertrümmerte Autos mit getöteten Insassen, schilderte Bork. Die meisten Häuser seien zerstört. Die verbliebenen Gebäude stünden schief. Brücken seien eingestürzt. Die Zerstörungen seien gewaltig, sagte Bork.

Staudämme drohen zu brechen

Mehr als 500 Schwerverletzte waren noch in Yingxiu, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. "Die Stadt braucht dringend Desinfektionsmittel, Medikamente und Antibiotika", sagte der Arzt Wang Linye, ein Arzt des örtlichen Krankenhauses. Ihre Medikamente seien aufgebraucht. Auch der Nachbarort Shuimo, wo 20.000 Menschen lebten, sei schwer zerstört. Wegen kaputter Straßen und Brücken hätten Rettungstrupps die Stadt noch nicht erreichen können. Mehrere Staudämme im Erdbebengebiet sind beschädigt und drohten zu brechen. Die Staumauer des Wasserkraftwerkes von Zipingpu hatte Risse. Ein Dammbruch würde die Stadt Dujiangyan bedrohen. Daher wurde das Wasser aus dem Reservoir abgelassen.

Oberhalb der Stadt Beichuan, wo tausende Verschüttete noch unter Trümmern liegen, hatte ferner ein großer Erdrutsch den Jianjiang-Fluss blockiert. Das Wasser staute sich an der Barriere aus Geröll und Felsen zu einem See. Die Behörden warnten vor einer Flutwelle und haben am Mittwoch die Bergungsarbeiten in der Stadt zeitweise eingestellt, wie chinesische Medien am Donnerstag berichteten.

Rettungstrupps und Bewohner suchten Zuflucht in höher gelegenen Gebieten, berichtete die Zeitung "Guangzhou Ribao". Einige Retter, darunter Feuerwehrleute mit speziellem Bergungsgerät kehrten später aber ungeachtet der Gefahr in die Stadt zurück. "Wenn die Blockade im Fluss bricht, wird eine Flutwelle die Stadt überschwemmen", warnte ein Experte. "Die Verschütteten werden alle umkommen."

Noch immer befinden sich zigtausend Verschüttete unter den Trümmern

Angesichts der vielen Verschütteten wiesen Experten darauf hin, dass der Mensch nach einer medizinischen Faustregel nur drei Tage ohne Wasser auskommen kann. Unter Stein- und Schuttmassen begraben könne die Angst den Stoffwechsel ankurbeln und die körpereigenen Reserven noch schneller aufbrauchen. Noch gefährlicher ist die Situation für Kinder. In den Trümmern von mindestens neun Schulen waren hunderte Schüler begraben worden. Um zu den Opfern vorzudringen, fehlt den Bergungsmannschaften schweres Gerät.

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in China sind immer noch mehr als 20.000 Opfer unter den Trümmern verschüttet. Ihre Überlebenschancen verschlechterten sich stündlich. Die Zahl der bestätigten Toten beträgt inzwischen mehr als 20.000 angegeben. Rund 65.000 Menschen seien verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Das chinesische Militär entsandte zusätzlich rund hundert Hubschrauber, um Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen und bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Einige zehntausend Soldaten helfen bereits im Katastrophengebiet. (stb/dpa)

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