Nach dem Beben : Prothesen für die Opfer

Tausende Verletzte wurden nach dem Erdbeben in Haiti amputiert – eine deutsche Firma und Prominente helfen.

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Die Zahl der durch das verheerende Erdbeben in Haiti vor gut drei Wochen gestorbenen Menschen ist auf mehr als 200 000 gestiegen. Das gab Regierungschef Jean-Max Bellerive am Mittwoch in Port-au-Prince bekannt. Damit korrigierte er die bislang offizielle Zahl von 170 000 Toten deutlich nach oben. Auch die Zahl der Verletzten ist erschreckend hoch. Die Eindrücke in Haiti erschüttern selbst katastrophenerprobte Fachleute: Verzweifelt schreienden Erdbebenopfern mussten ohne jegliche Betäubung mit Taschenmessern Arme oder Beine amputiert werden, damit sie überleben.

„Mich erschüttert zutiefst, wie viele Kinder betroffen sind“, sagt auch Hans Georg Näder. Der geschäftsführende Gesellschafter der Otto-Bock-Firmengruppe aus Duderstadt mit seiner neuen Repräsentanz „Science Center Medizintechnik“ nahe dem Potsdamer Platz in Berlin will nicht länger zusehen. Er hat eine Spendenaktion zugunsten der Otto-Bock- Stiftung für Kinder in Not gestartet. In Großbritannien wirbt derweil die Ex-Frau von Musiker Paul McCartney, das unterschenkelamputierte Model Heather Mills, um Spenden für Prothesen für die Opfer.

„Die Ärzte der Hilfsorganisationen müssen täglich bis zu 100 Amputationen vornehmen“, sagt der Sprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Patrick Schultheis. Manchen Kindern fehlen jetzt alle Gliedmaßen, sie haben große Schmerzen. „In diesem Land bedeutet das für Überlebende zugleich den sozialen Abstieg. Medizintechnik kann ihnen ihr Leben zurückgeben“, weiß Schultheis. Die UN schätzen, dass über 6000 Menschen Hände, Füße, Arme, Beine verloren haben.

Die Johanniter haben ihren Orthopädie-Experten Marcel Baeriswyl im Haiti-Einsatz, er stellte jetzt bei Otto Bock in Duderstadt eine mobile Containerwerkstatt zusammen – mit Prothesen, körperteilunterstützenden Orthesen, Gehhilfen. Die Johanniter kaufen ihre Medizintechnik schon seit Jahren bei den Duderstädtern. Die Firmensparte Otto Bock Health Care kann als Weltmarktführer auf das weltweite Vertriebs- und Technikernetz zurückgreifen, das hilft auch bei der jetzigen Katastrophe. So bat Firmenchef Näder sogleich die Kollegen auf Kuba um Hilfe, und der Unternehmenspräsident aus Südamerika war gerade zufällig in Duderstadt im Harz, als das Beben geschah.

Der 1919 in Berlin gegründete Familienbetrieb half mit seiner Stiftung bereits nach dem Elbehochwasser, nach dem Geiseldrama in Beslan, nach dem Tsunami, nach dem Erdbeben in China. „Jetzt muss in Haiti aktive, kluge und zielgerichtete Hilfe oberste Priorität für unser Handeln sein“, sagt Näder, der über das Geschäftliche hinaus helfen will. Sein Unternehmen ist seit Jahren bekannt als Förderer der Paralympics. Im World Trade Center gelang es dem Amerikaner Curtis Grimsley, mit einer Otto-Bock- Prothese am 11. September 2001 aus dem 70. Stockwerk um sein Leben zu rennen. „Technik Made in Germany rettete mein Leben“, sagte der Amerikaner.

Spenden an: Otto-Bock-Stiftung, Stichwort „Hilfe für Haiti“, Sparkasse Duderstadt, Kontonr. 448, Blz. 260 512 60.

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