• Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes: UN: Bangladesch muss unsichere Fabriken schließen

Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes : UN: Bangladesch muss unsichere Fabriken schließen

Die Arbeitsorganisation Ilo fordert eine Überprüfung aller Firmen im Land. Nach Angaben des Architekten war das Gebäude nie für Textilbetriebe gedacht.

Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch hat die UN-Arbeitsorganisation Ilo die Regierung aufgerufen, unsichere Fabriken zu schließen. Die Zahl der Toten stieg am Wochenende auf fast 600. Seit dem Unglück am 24. April seien 590 Leichen aus den Trümmern geborgen worden, sagte der Armeesprecher Imran Khan am Sonntag, doch würden noch weitere Toten unter dem Schutt vermutet.

Der zuständige Ilo-Vertreter Gilbert Houngbo sagte am Sonntag, es müsse gehandelt werden, um solche „vermeidbaren Unfälle“ künftig zu verhindern. Die Regierung in Dhaka müsse sicherstellen, dass alle Fabriken inspiziert und nötige Reparaturmaßnahmen vorgenommen würden. Fabriken, die nicht instandgesetzt werden könnten, müssten möglicherweise schließen. Ein ranghoher Regierungsbeamter versicherte, alle Textilfabriken würden überprüft. Es seien zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, um derartige Katastrophen in Zukunft zu verhindern. Die Regierung hatte allerdings bereits nach einem verheerenden Feuer in einer Textilfabrik im November mit 111 Toten ähnliche Maßnahmen angekündigt.

Auch zwölf Tage nach dem Unglück wurden auf der Suche nach Toten weiter Trümmer von Planierraupen und Kränen abgetragen. Verzweifelte Angehörige, die Fotos ihrer vermissten Verwandten bei sich trugen, beobachteten die Bergungsarbeiten. Über Lautsprecher wurden Passagen aus dem Koran zur Ehrung der Toten verlesen.

Das achtstöckige Gebäude, in dem fünf Textilfabriken untergebracht waren, war am 24. April eingestürzt. Mehr als 3000 Menschen wurden verschüttet, Armeeangaben zufolge konnten 2437 Menschen gerettet werden. Zwölf Personen, darunter der Besitzer des Gebäudes und vier Fabrikbetreiber, wurden im Zusammenhang mit der Katastrophe festgenommen.

Nach Angaben des Architekten war das Gebäude eigentlich als Einkaufszentrum mit einzelnen Geschäften gedacht und nicht für Textilbetriebe. Der festgenommene Gebäudebesitzer habe grundlegende bautechnische Prinzipien ignoriert, sagte Masood Reza. Beim Anblick der Bilder von schreienden Opfern unter den Trümmern habe er „Schmerz und seelische Qualen“ verspürt. Reza zufolge hatte seine Firma das Gebäude nur auf sechs und „nicht auf neun oder gar zehn Stockwerke“ ausgelegt. Außerdem sei von Anfang an klar gewesen, dass die Deckenkonstruktion keine schweren Maschinen wie Generatoren tragen würde. „Als wir das Gebäude gestalteten, haben uns der Besitzer und der Entwickler nie gesagt, dass dort Textilfabriken untergebracht werden sollten“, sagte Reza. „Wenn sie uns das gesagt hätten, wären Struktur und Design anders und stabiler ausgefallen.“ Ersten Erkenntnissen einer von der Regierung angeordneten Untersuchung zufolge wurde der Einsturz durch die Vibration von vier Generatoren in den oberen Stockwerken verursacht. Diese seien nach einem Stromausfall in Gang gesetzt worden und hätten mit der Vibration tausender Nähmaschinen zum Einsturz geführt, sagte der Leiter der Untersuchung, Main Uddin Khandaker. (AFP)

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