• Nach dem Erdbeben in Nepal: Nächste Woche wieder Expeditionen am Mount Everest

Nach dem Erdbeben in Nepal : Nächste Woche wieder Expeditionen am Mount Everest

Nach dem verheerenden Erdbeben mit tausenden Toten in der Himalaya-Region sollen die Expeditionen am Mount Everest schon bald wieder aufgenommen werden. Dies kündigten die Behörden am Donnerstag an. Das Geschäft mit den Bergsteigern ist für Nepal eine wichtige Einnahmequelle.

Die Einwohner des Gebirgsstaates sind in immer größerem Maße auch auf den Tourismus angewiesen. Foto: dpa
Die Einwohner des Gebirgsstaates sind in immer größerem Maße auch auf den Tourismus angewiesen.Foto: dpa

Die für Nepal als Einnahmequelle wichtigen Bergexpeditionen zum Mount Everest sollen nach dem Erdbeben schon bald wieder beginnen. Die Expeditionen sollten in der kommenden Woche wieder starten, sagte Tulsi Gautam von der Tourismusbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe "für niemanden Grund, Expeditionen abzusagen". Gyanendra Shrestha von der Tourismusbehörde sagte: "Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen." Er fügte hinzu: "So ist Abenteuer, es ist voller Unwägbarkeiten. Du bist selbst für deine Sicherheit verantwortlich. Die Regierung kann Katastrophen nicht verhindern."

Am Samstag hatte ein Beben der Stärke 7,8 die Himalaya-Region erschüttert. Inzwischen wurden allein in Nepal fast 5500 Tote und mehr als 10.000 Verletzte gezählt. Mehr als hundert weitere Menschen starben in Indien und in China.

Nach Schätzungen der UN sind 2,8 Millionen Menschen obdachlos

Zahlen der Vereinten Nationen machen das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich: Acht Millionen Betroffene, davon brauchen 3,5 Millionen Menschen Nahrungsmittel. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos. Bislang gelingt es nur einzelnen Teams, Kathmandu zu verlassen. US-Katastrophenhelfer haben die stark betroffene Stadt Bhaktapur erreicht, um nach Verschütteten zu suchen, sagte die Sprecherin im State Department, Marie Harf.

Am Mount Everest kamen 18 Bergsteiger durch eine Lawine ums Leben. Zum Unglückszeitpunkt befanden sich etwa 800 Menschen an dem höchsten Berg der Erde. Am Dienstag meldeten die Behörden, dass alle Abenteurer gerettet worden seien. Sie seien per Helikopter von den Höhencamps 1 und 2 ins Basislager gebracht worden, sagte Ang Tshering Sherpa vom Nepalesischen Bergsteigerverband am Dienstag. Insgesamt hätten 180 Bergsteiger festgesessen, weil die Abstiegsroute von Lawinen zerstört wurde.

Mehrere große Expeditionsteams haben ihre Vorhaben abgesagt

Mehrere große Expeditionsteams - wie Jagged Globe, die Teammitglieder verloren haben - haben ihre Vorhaben abgesagt. Sie wollen in diesem Jahr nicht mehr von Nepal aus auf den Mount Everest steigen. Auch auf chinesischer Seite zogen sich aus Furcht vor Nachbeben zunächst alle ins Basislager zurück. Bergsteiger wie der Tiroler Alois Fuchs berichteten von dort, der Berg sei gesperrt. Auch das deutsche Team Amical Alpin und das Schweizer Team von Kobler & Partner drehten um. Einige Gruppen in Nepal planten den Aufstieg noch, sagte Shrestha von der Tourismusbehörde. Allerdings müsse eine neue Route durch den gefährlichen Eisfall gelegt werden.

Der Gebirgsstaat zählt zu den ärmsten Ländern der Welt

Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt und steht nach dem Erdbeben vor einem schwierigen Wiederaufbau. Das dafür nötige Geld wird das Land kaum selbst aufbringen können. Das Beben habe "vernichtende Auswirkungen" auf die Wirtschaft Nepals, sagte der für den asiatisch-pazifischen Raum zuständige Chefökonom der Forschungsfirma IHS, Rajiv Biswas. Die Möglichkeiten des Landes, die Bergungsarbeiten und den Wiederaufbau selbst zu schultern, seien "extrem begrenzt".

Zahlreiche Familien leben in Nepal in Armut. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beläuft sich laut IHS auf lediglich 1000 Dollar. Die Einwohner des Gebirgsstaates sind vor allem auf die Landwirtschaft und in immer größerem Maße auch auf den Tourismus angewiesen, um über die Runden zu kommen. Offiziellen Angaben zufolge sind 70 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dieser Sektor steuert ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts bei.

Gerade erst im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft Nepals um 5,48 Prozent. Doch das für dieses Jahr angepeilte Wachstum wird nach dem heftigen Beben vom Samstag nicht zu schaffen sein. Da 36 Bezirke des Landes von der Katastrophe betroffen seien, "ist es unwahrscheinlich, dass unsere Wachstumsprognosen erreicht werden", sagt der Ökonom Bishamber Pyakurel. "Schwierige Zeiten liegen vor uns."

Der Tourismus ist enorm wichtig für Nepal

Einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum lieferte bisher auch der Tourismus. Im Jahr 2013 zog Nepal fast 800.000 ausländische Reisende an. Viele davon machten sich auf eine kostspielige Tour in Richtung Himalaya; weniger Abenteuerlustige erkundeten den kulturellen Reichtum in Kathmandu. Die Hauptstadt liegt seit dem Beben nun teilweise in Trümmern. "Kathmandu ist wichtig für die Wirtschaft der Nation und jetzt zerstört", sagte der frühere Finanzminister Madhukar Shumsher Rana der Nachrichtenagentur Bloomberg. Gerade das Geschäft mit den Bergsteigern, insbesondere am Mount Everest, ist für Nepal eine wichtige Einnahmequelle.

Für den Wiederaufbau werden wohl bis zu 4,6 Milliarden Euro benötigt

Die Folgen des Bebens bekommen nun vor allem die Einheimischen zu spüren: Sie haben Angehörige, Freunde und oftmals auch ihr Hab und Gut verloren. Zahlreiche traumatisierte Familien dürften zudem bald mit steigenden Preisen zu kämpfen haben, vermutet der Ökonom Pyakurel. "Die Nachfrage nach lebenswichtigen Gütern steigt, aber das Angebot ist beschränkt." Auf das Land kommen für den Wiederaufbau nach Einschätzung des IHS-Ökonomen Biswas Kosten von bis zu fünf Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) zu - unter der Annahme, dass in Erdbebenregionen Gebäude nach höheren Standards gebaut werden. Die Summe entspricht seinen Angaben zufolge einem Fünftel des Bruttoinlandsprodukts Nepals. Biswas' Schlussfolgerung: Neben Katastrophenhilfe sei das Land auf "umfangreiche finanzielle Hilfe" für den langfristigen Wiederaufbau der Wirtschaft angewiesen.

AFP/dpa

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