Nach dem Hurrikan : "Alles ist verloren"

Die Bilanz ist verheerend: Hurrikan "Rita" hat im Südosten der USA ganze Ortschaften dem Erdboden gleichgemacht. Insbesondere an der Grenze zwischen Louisiana und Texas wurden mehrere Gemeinden komplett zerstört.

Houston/Washington (26.09.2005, 14:18 Uhr) - Dies berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Montag. Erst vor vier Wochen hatte Hurrikan «Katrina» dort gewütet. Diesmal war die Region weitgehend evakuiert worden.

Trotz der zerstörerischen Kraft von «Rita» wurden bis Montag weder aus Louisiana noch Texas Tote gemeldet, wie der Vizeadmiral der Küstenwache, Thad Allen, und der texanische Gouverneur Rick Perry mitteilten. Im Staat Mississippi war ein Mensch bei einem von «Rita» ausgelösten Tornado ums Leben gekommen. Weite Landstriche standen auch am Montag noch unter Wasser.

In der vom Hurrikan besonders stark getroffenen Stadt Lake Charles (Louisiana) schlug «Rita» ganze Gebäudekomplexe «kurz und klein», wie es heißt. Die Mehrzahl der 1000 eingeschlossenen Menschen wurde nach Armeeangaben in Sicherheit gebracht. Laut Polizeichef Donald Dixon kam es zu ersten Plünderungen, 15 Verdächtige seien festgenommen worden. Vom 3. Oktober an sollen die Einwohner etappenweise zurückkehren können.

Allein Louisiana bittet den Kongress in Washington um umgerechnet rund 26 Milliarden Euro für Neubau und Instandsetzung von Dämmen und Straßen, wie Gouverneurin Kathleen Blanco sagte. «Louisiana wurden zwei harte Schläge in weniger als einem Monat versetzt.»

Unterdessen haben Helfer in Port Arthur und Sabine Pass (Texas) mit der systematischen Suche nach Überlebenden und Opfern begonnen. Sie gehen von Haus zu Haus, sagte der Bürgermeister von Port Arthur, Oscar Ortiz. «Alles ist verloren», beschrieb er die Verwüstungen in seiner Stadt.

Der texanische Gouverneur Perry appellierte eindringlich an die Flüchtlinge, mit der Rückkehr zu warten. «Kommen Sie heute nicht zurück in den Südosten des Landes», sagte er nach einem Hubschrauberflug über das Katastrophengebiet. Laut Perry werden die Schäden allein in Texas auf umgerechnet 6,6 Milliarden Euro geschätzt. In der texanischen Öl-Metropole Houston forderten die Behörden die Flüchtlinge ebenfalls auf, nur etappenweise zurückzukehren.

Rund zwei Millionen Menschen haben nach Angaben der Behörden noch immer keinen Strom. Einheiten der US-Armee retteten mit Hubschraubern und Booten mehrere hundert Menschen, die von dem rasch steigenden Wasser überrascht worden waren.

Auch in den kommenden Tagen droht Unheil: Meteorologen warnen vor weiteren Überschwemmungen, Gewitterstürmen und Tornados. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami bereitete die US-Bürger auf zwei weitere gefährliche Wirbelstürme bis November vor.

In New Orleans flickten Einheiten der US-Armee mit Sandsäcken brüchig gewordenen Dämme. Der Wasserspiegel in den überfluteten Stadtgebieten ging nach Angaben von Gouverneurin Blanco weiter zurück. Die US-Armee geht davon aus, dass die Armenstadtteile innerhalb von zehn Tagen wieder leergepumpt werden können. Anfang der Woche könnten die ersten Flüchtlinge, die vor «Katrina» geflohen waren, wieder zurückkommen, sagte Bürgermeister Ray Nagin.

US-Präsident George W. Bush schlug vor, dass bei großen Naturkatastrophen wie Hurrikan «Katrina» künftig das Verteidigungsministerium allein die Federführung bei den Hilfs- und Rettungseinsätzen übernimmt.

Der Ölpreis geriet am Montag angesichts der nur geringen Schäden an den Anlagen im Golf von Mexiko deutlich unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl der Sorte WTI kostete im asiatischen Handel 63 Dollar und damit 1,19 Dollar weniger als bei Handelsschluss am Vortag. Die Ölraffinerien an der Küste von Texas decken etwa 25 Prozent der gesamten Raffineriekapazitäten der USA ab. An den Rohstoffmärkten hatten Anleger zuvor mit starken Schäden an den Ölförderanlagen durch den Wirbelsturm gerechnet. (tso/dpa)

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