Welt : Nach dem Tankerunglück: Schockierende Bilder

Andreas Frost

Bis zur Hüfte standen sie im immer noch eiskalten Ostseewasser und stemmten die orangen Plastikbarrieren dem Öl entgegen. Doch immer wieder fand die schmierig, klebrige Masse eine Lücke und einen Weg ans Ufer. Bis weit nach Einbruch der Dunkelheit mühten sich die Katastrophenschutz-Leute und freiwillige Helfer an den Küsten der süddänischen Inseln Falster und Mön, die wohl größte Umweltkatastrophe der Region an ihren Stränden ab zu mildern.

Die schockierenden Bilder waren das ganze Wochenende über im Fernsehen zu sehen. Vögel, die im Ölschlick gefangen waren, die versuchten, ihre Flügel zuheben, aber mit ihrer Kraft nicht gegen die klebrige, zähe Masse ankamen. Auch Katatsrophenhelfer hatten Mühe, mit ihren Gummistiefeln durch den Ölmorast zu laufen, so schwer ist das klebrige Zeug.

Ostsee erholt sich nur langsam

Erst war es der starke Wind aus Südost, der das Öl aus dem havarierten Tanker "Baltic Carrier" an ihre und nicht an die jenseits der so genannten Kadetrinne gelegenen mecklenburgischen Strände gespült hatte. Ein Zuckerfrachter hatte den vor Anker liegenden Tanker in der Nacht zu Donnerstag gerammt. Dann aber drehte und legte sich der Wind und verhinderte noch Schlimmeres für die dänischen Küsten. Schlimmer als anfangs angenommen war das Desaster dennoch. Nicht 1900, sondern 2700 Tonnen Öl waren nach dänischen Angaben aus dem Tanker ausgelaufen.

Wo die Bagger die Steilküsten nicht hinuter kommen konnten an den Strand, der hier mal sandig und mal kieselig ist, bargen die Helfer die zähen Klumpen mit Forken, Schaufeln oder mit den bloßen Händen und trugen sie in Plastikwannen oder Melkbottichen von dannen. Stiefel, Gummihosen und -handschuhe waren danach kaum mehr zu retten. Mit der Schrotflinte erlösten Jäger immer wieder Enten, Möven, Gänse, die sich unrettbar in dem giftigen Ölschlamm verfangen hatten. Zwischen 1200 und 2000 Vögel fanden bereits den Tod, so die Angaben verschiedener Umweltschutzorganisationen. Weitere Tausende seien bedroht.

Die Strömung hatte die Ölteppiche aus der "Baltic Carrier" in den Grönsund zwischen Falster und Mön getrieben, der an seiner engsten Stelle kaum zwei Kilometer breit ist. Die Nordostspitze Falsters bekam etwas ab, die Südwestspitze Möns gegenüber ebenfalls. Am meisten getroffen wurden die im Sund gelegenen Inselchen Bogö und Farö, über die die Autobahn E 47 verläuft. Die langen seeseitigen Küsten Falsters und Möns mit ihren zahlreichen Ferienhäuschen und Campingplätzen blieben - vorerst - verschont. "Es sieht gut aus", sagte erschöpft aber erleichtert am Sonntagnachmittag Klaus Lose von der Polizei in Nyköbing. Rund die Hälfte des aus der "Baltic Carrier" ausgelaufenen Öls sei geborgen. Rund 1000 Tonnen sogen zehn Spezialschiffe vom Wasser, zwischen 200 und 300 Tonnen wurden von den Ufern gesammelt. "Unser Hubschrauber hat keine größeren Ölteppiche mehr gesichtet", so der Sprecher der Einsatzkommandozentrale weiter. "Wir vermuten, die zweite Hälfte des Öls ist versunken."

Nur kleinere Placken könnten möglicherweise in den nächsten Tagen noch die Küsten erreichen. Die Umweltkatastrophe spielt sich nun unter Wasser ab. Die Ölklumpen auf dem Meeresboden sind eine tödliche Gefahr für Muscheln und Algen, Fische und Krebse.

Die Ostsee kann solche Verschmutzungen nur schwer verkraften. Denn im Weltmeermaßstab ist sie nur eine Pfütze. Zugleich ist die Ostsee besonders sensibel. Wegen des geringen und langwierigen Wasseraustausches mit der Nordsee regeneriert sich das Wasser nur sehr langsam. Eine Ölpest hat daher verheerende Folgen.

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