Welt : Nach dem Terror: Broadway in der Krise

Stephan Wiehler

"Unsere Truppe ist wie eine Familie", sagte Carolee Carmello, die Hauptdarstellerin des Broadway-Musical "Kiss Me Kate" im Martin Beck Theater. Der Terroranschlag vom 11. September hat die Ensembles an den Bühnen New Yorks fester denn je zusammengeschweißt. Wie das Martin Beck Theater mussten bereits fünf Broadway-Bühnen wegen Zuschauermangels schließen. Auf 50 Prozent ihres Gehalts wollte die Theaterschaffenden von "Kiss Me Kate" zunächst verzichten, um den Betrieb des Theaters aufrecht zu erhalten.

Doch die elf zuständigen Gewerkschaften lehnten dies ab und stimmten schließlich einer 25-prozentigen Gehaltskürzung zu, um die Arbeitsplätze in der Entertainment-Industrie New Yorks zu erhalten. Sechs Bühnen schlossen sich an, um die Einnahmeausfälle durch nicht verkaufte Tickets auszugleichen. Neben "Kiss Me Kate" haben der Kürzung auch die Mitarbeiter der Musicals "Les Miserables", "The Phantom of the Opera", "Chicago","Rent" und "Full Monty" zugestimmt.

Und die Akteure von "Kiss Me Kate" legten noch einmal 25 Prozent ihrer Gehälter drauf, um Karten zu kaufen und diese an die Mitarbeiter jener Hilfsorganisationen zu spenden, die New York nach den Terroranschlägen unterstützen. "Es ist unser Tribut an den Broadway und an New York", erklärte Carolee Carmello. Am Freitag vergangener Woche verwandelten die Broadway-Künstler die Lebensader Manhattans selbst in eine große Bühne.

Hunderte Schauspieler, Sänger und Tänzer versammelten sich am Times Square und sangen den Frank-Sinatra-Song "New York, New York" für einen Werbespot, mit dem Touristen ermutigt werden sollen, wieder in die Stadt zu kommen. Der Werbespot ist Teil einer groß angelegten Multimedia-Kampagne, mit der die "League of American Theaters and Producers" helfen will, die Plätze in den Zuschauersälen der Broadway-Theater wieder zu füllen.

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