Nach dem Tod von Philip Seymour Hoffman : Die USA in der Heroin-Krise

Philip Seymour Hoffmans Tod wirft ein Licht auf die Heroin-Krise in den USA. Die Todeszahlen steigen rapide. Immer billiger wird der Stoff, wer will, bekommt ihn frei Haus geliefert.

Philip Seymour Hoffman - der dreifache Vater wurde 46 Jahre alt.
Philip Seymour Hoffman - der dreifache Vater wurde 46 Jahre alt.Foto: dpa

Zwei Tage nach dem plötzlichen Tod von Oscar-Gewinner Philip Seymour Hoffman hat die New Yorker Polizei vier Verdächtige festgenommen. Die drei Männer und eine Frau sollen aus der Drogenszene stammen, bestätigte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Familie des Schauspielers teilte mit, dass Hoffman privat im Kreise der Familie beigesetzt werden solle.

Der dreifache Vater wurde 46 Jahre alt. Sein Tod wird mit Heroin in Zusammenhang gebracht.

Eine erste Autopsie des Schauspielers blieb allerdings noch ohne Ergebnis. „Die Tests haben Resultate erbracht, die keine eindeutige Todesursache ergeben. Wir werden weitere Untersuchungen machen müssen“, sagte Julie Bolcer vom Amt des Leichenbeschauers am Mittwoch der dpa. Das könne Tage, aber auch Wochen dauern. „Die Testergebnisse waren einfach nicht so aussagekräftig, dass wir eine zweifelsfreie Todesursache feststellen konnten“, erklärte Bolcer. Letztlich gehe es aber um eine eindeutige Klärung der Todesumstände des 46-Jährigen.

Verkauften die vier Festgenommenen Hoffmann Rauschgift?

Hoffman war am Sonntag tot in seiner Wohnung in Manhattan gefunden worden. In seinem linken Arm steckte den Medienberichten zufolge eine Spritze. 65 Umschläge mit Heroin sollen in der Wohnung gefunden worden sein, weitere 5 seien leer gewesen. Außerdem seien Spritzen und verschreibungspflichtige Medikamente entdeckt worden.

Trauernde legen Blumen und Fotos vor das Haus im West Village, in dem Philip Seymour Hoffman gewohnt hat.
Trauernde legen Blumen und Fotos vor das Haus im West Village, in dem Philip Seymour Hoffman gewohnt hat.Foto: REUTERS

Ob die vier Festgenommenen dem Schauspieler tatsächlich das Rauschgift verkauft hätten, sei aber noch unklar. „Das müssen wir noch untersuchen“, sagte der Polizeisprecher. Die vier hätten mehr als 350 Päckchen Heroin besessen, hieß es in Medienberichten. Allerdings hätten die Päckchen nicht den gleichen Aufdruck wie diejenigen, die in der Wohnung des Schauspielers gefunden wurden.

Trauerfeier in New York geplant

Die vorläufigen Untersuchungen hätten ergeben, dass das gefundene Heroin in Hoffmans Wohnung nicht das Schmerzmittel Fentanyl enthalten habe. Das sagte ein Ermittler dem US-Sender CNN. Medien hatten zuvor berichtet, die sichergestellten Drogen seien mit dem synthetischen Stoff gestreckt worden, der etwa für Krebspatienten und bei Narkosen verwendet wird. Ein endgültiges Ergebnis steht aber noch aus.

Hoffmans Sprecherin teilte mit, dass der Schauspieler im Kreis von „Familie und engen Freunden“ beigesetzt werde. Einen Hinweis auf einen möglichen Termin gab sie nicht. Für einen späteren Zeitpunkt sei aber eine weitere Trauerfeier in New York geplant. Statt Blumen wünsche sich die Familie Spenden für zwei Wohltätigkeitsorganisationen, die Hoffman am Herzen lagen. Es handelt sich dabei um eine Kunstinitiative für junge Leute („The DreamYard Project“) und die „Christopher and Dana Reeve“-Stiftung, die sich für Querschnittsgelähmte einsetzt.

Gouverneur von Vermont warnte vor „Heroin-Krise“

Philip Seymour Hoffmans Tod war noch nicht in den Schlagzeilen, als der Gouverneur von Vermont schon lauthals Alarm schlug. In einer Rede zur Lage seines Bundesstaates warnte der Politiker im Januar eindringlich vor einer „Heroin-Krise“ in den USA. Ob im beschaulichen Neuengland, in Florida oder Amerikas Großstädten: Die Zahl der Opfer tödlicher Heroindosen hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt oder sogar verdreifacht. Allein in New York schnellte sie zwischen 2010 und 2012 um 84 Prozent hoch.

In Pittsburgh und Umgebung starben 22 Menschen in nur zwei Wochen an unsauberem Heroin, im US-Bundesstaat Maryland wurden laut CNN 37 Tote seit September gezählt. „Es hat epidemische Ausmaße erreicht“, bestätigte der Sprecher der US-Drogenbehörde DEA, Rusty Payne, der „Los Angeles Times“.

Heroin für sechs Dollar

Mit dem Tod des Oscar-Preisträgers Philip Seymour Hoffman ist das Problem nun ins Scheinwerferlicht gerückt.

Die „New York Times“ schrieb, dass das Rauschgift in der Millionenmetropole schon für sechs Dollar zu kaufen sei. Der Handel sei so gut organisiert, dass Heroin per Anruf an die Haustür bestellt werden könne. Sorge bereitet den Behörden auch die Ausbreitung auf Vororte und ländliche Gebiete.

Eine Umfrage der US-Behörde für Drogenmissbrauch und psychische Gesundheit kam zu dem Ergebnis, dass 2012 rund 669 000 Amerikaner im Alter über zwölf Jahren zu Heroin gegriffen hatten, 156 000 von ihnen zum ersten Mal. Die Zahl der 467 000 Befragten, die sich als heroinabhängig zu erkennen gaben, war mehr als doppelt so hoch wie 2002, berichtete CNN.

In Deutschland hingegen sinkt die Zahl der Drogentoten weiter. 2012 starben zwar 944 Menschen an Rauschgift, das ist aber der niedrigste Stand seit 1988. Vier von fünf Opfern sind Männer. Haupttodesursache auch hier: eine Überdosis Heroin in Verbindung mit anderen Substanzen. 19 559 Menschen wurden 2012 erstmals als Konsumenten harter Drogen registriert – knapp 1800 weniger als im Vorjahr. Nach Einschätzung der Experten spielen in den USA sowohl die zunehmende Produktion von Heroin in Mexiko als auch die verstärkte Kontrolle von starken Schmerzmitteln wie Oxycotin eine Rolle. „Bis vor kurzem waren die Pillen hier noch für rund zehn Dollar zu haben“, sagte die Polizistin Nicole Guerriero in Delray Beach, Florida, dem Sender CNN. „Inzwischen sind sie sehr viel teurer, und die Leute holen sich ihr High von Heroin.“ Anders als bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es für das Rauschgift keine Sicherheit für seine Stärke und Reinheit.

Manche Heroindosen seien mit Natron oder einem Abführmittel für Kleinkinder verdünnt, andere mit dem Schmerzmittel Fentanyl für Krebspatienten gefährlich angereichert. In den seltensten Fällen würden die Kunden von einem Dealer über die Stärke des Mittels informiert, warnt die DEA. (dpa)

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