Welt : Nach den großen Ferien: Es war so schön ... in der Wüste

Christiane Peitz

Es stimmt ja gar nicht, dass die Wüste lebt. Da fährt man stundenlang durch die gleiche Landschaft, mit strohtrockenen Bäumen, Buschgras und verdorrtem Gesträuch, und sieht ständig die Schilder mit den Kängurus drauf. Bloß ein Känguru kommt niemals in Sicht. Dann jedoch - es steht in jedem Reiseführer, und die japanischen Touristen sind auch schon da: die roten Felsen. Ayers Rock. Die Olgas. Unglaublich rot. Und wieder viele Schilder, die um Rücksicht bitten auf weltweit einmalige Tiere. Nur ein Schild ist anders: Sunset Viewing Point steht darauf. Der Parkplatz für den Sonnenuntergang. Die Australier sind freundlich, und deshalb haben sie auch den Sonnenuntergang organisiert. Ein gut gelaunter Polizist regelt den Sonnenuntergangsverkehr: "Die Show beginnt in zehn Minuten." Leider ist das Parkett schon ausgebucht. Doch der Polizist bietet uns Alternativen: die weniger attraktiven Stehplätze. Auch hier ist es eng, unzählige Blechkisten, dicht aneinander gedrängt. Die Hobbyfotografen justieren ein letztes Mal ihr Kamerastativ. Kinder erklimmen Kühlerhauben, Rucksacktouristen klettern auf Autodächer, manch ein Sonnenuntergangs-Jäger wagt sich gar hinaus ins Offene, in das eigentlich verbotene Naturschutz-Gelände. Es wird still, und dann geht es schon los: Nein, das Spektakel gilt nicht der Sonne, die unbeachtet hinter unserem Rücken herabsinkt, sondern dem Felsen. Denn nur in diesen Minuten lässt sie ihn leuchten. Und der Himmel spielt mit. Er verfärbt sich zum Aquarell, erst in kräftigen, dann immer blasseren Tönen. Hier, am Ayers Rock, habe ich zum ersten Mal gesehen, aus wie vielen Farben eine Farbe besteht. Und wie vergänglich sie ist. Denn es geht schnell. Sehr schnell. Nach zwanzig Minuten herrscht finstere Nacht. Von drüben, wo eben noch Sonne war und wo sich der Sunset Viewing Point für die Busse befindet, zieht das Blitzlichtgewitter der Reisegruppen auf.

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