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Nach den Landtagswahlen : Eko Fresh rappt gegen die AfD

"Nur ein Arschloch wählt AfD": Eko Fresh reagiert auf den Erfolg der Rechtspopulisten bei den jüngsten Wahlen. Der Berliner Landesverband antwortet.

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Dem Rapper Eko Fresh hat der Wahlerfolg der AfD schlechte Laune beschert - welche er in einem Musikvideo offen äußert.
Dem Rapper Eko Fresh hat der Wahlerfolg der AfD schlechte Laune beschert - welche er in einem Musikvideo offen äußert.Screenshot

Dass sich Rap mit klaren Worten gegen Rassismus stellt, gehört schon fast zum Genre. Nach dem Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen am Sonntag wird die Partei zusehends Thema des Deutsch-Rap. Allen voran der deutsch-türkische Musiker und Schauspieler Eko Fresh. "Jeder, der dieses Video teilt, macht die AfD am Arsch" heißt es in dem Track, den der Künstler am Montag nach den Landtagswahlen auf sein Facebook-Profil gestellt hatte. Am Donnerstagmorgen wurde das Video bereits fast zwei Millionen Mal aufgerufen, mehr als 17000 Mal geteilt und umfangreich kommentiert.

"AFD = Albtraum für Deutschland" hat Eko Fresh das Video betitelt. Dann geht es los mit dem AfD-Diss: "Ihr seid wie dieser Trump, alles Nichtskönner im Amt. Dann fxxxt ihr dieses Land" - so packt der Künstler seinen "Disrespekt" in Worte. Der Rapper beweist, dass er in letzter Zeit durchaus mal eine Zeitung gelesen und das politische Geschehen in Deutschland verfolgt hat. "So weit ist es gekommen, jetzt tun sich sogar Deutschtürken beschweren", rappt Fresh a capella und beschwert sich selbst, wobei es auch zu übelsten Beleidigungen der AfD-Protagonisten kommt. Das gehört dazu im Rap. So wird Björn Höcke beispielsweise als "Möchtegern-Göbbels" bezeichnet.

"Ich war schockiert über das Wahlergebnis und habe den Text in der gleichen Nacht geschrieben, aufgenommen und am nächsten Morgen online gestellt", so Eko Fresh zu seinem Song. "Gleichzeitig habe ich das Glück, durch meine Kanäle direkt viele Menschen erreichen zu können. Das musste ich in diesem Fall nutzen."

Nicht allen selbstverständlich gefällt das Liedgut. Unter dem Video finden sich einige Hass-Kommentare und "Analysen": Die AfD sei schließlich demokratisch gewählt worden und beileibe keine rassistische oder ausländerfeindliche Partei. Sie wolle, dass es den Deutschen im Land gut gehe, kommentiert beispielsweise ein Nutzer in den emsigen Diskussionen. Viele weisen Eko Fresh auf seine Grammatik hin, die "einem Deutschen nicht würdig sei".

"Ich bin ein Kanake und stolz, deutsch zu sein", singt der in Köln geborene Rapper in dem Song. Und auch ein klares Statement zur Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist in dem Text: "Jeder, der meine Angie anmacht, bekommt es nun mit uns zu tun".

Gesehen und gehört hat das Video von Eko Fresh auch die Berliner AfD. In einem Beitrag auf ihrer Facebook-Seite nimmt der Landesverband Stellung: "Merhaba Eko Fresh", beginnt ein ausführlicher Text, der sich mit der Kritik des Rappers auseinandersetzt. "Sehr geehrter Herr Ekrem Bora, Sie können uns nicht dissen, Sie sind nämlich unserer Meinung." Als "Sprößling einer Arbeiterfamilie" entstamme auch Fresh konservativen Familienstrukturen - diese wolle die AfD "größtenteils bewahren". "Die AfD gibt es seit 2013, Heime brannten schon vor 20 Jahren und Täter werden immer linke, rechte und ausländische Extremisten sein, aber nie AfD Mitglieder", entgegnet die Partei einem Satz aus dem Song: "Ihr allein seid Schuld, dass Asylantenheime brennen."

Auch eine Aufforderung schickt die AfD dem Musiker: "Seien Sie bitte so konsequent und spenden sie die Einnahmen der Youtube.Klicks, die Sie auf Ticket unserer AfD erhielten einem guten Zweck. Das hätte Ehre!" Um sicher zu gehen, dass Eko Fresh ihr Statement erreicht, fordert die AfD ihre Mitglieder dazu auf, ihren Beitrag zu teilen.

"Die Ehre eines Rapsongs wurde uns noch nie zuteil", heißt es von der AfD Berlin zudem. Das ist so nicht richtig. Eko Fresh ist nicht der einzige und erste Rapper, der offen gegen die AfD musiziert:

"Deutschrap positioniert sich endlich gegen die AfD" ist der Titel eines Artikels von Georg Bakunin auf vice.com. So hat auch der Berliner Rapper Jose Ju mit seinem Video "German Angst" Position bezogen. Oder der eher unbekanntere "MC Smook" mit seinem Lied "Wähl`nicht die AfD". Für den Autor der Vice ist es "verständlich, dass sich im HipHop die Stimmen mehren, die den Rechten und ihrem neuen Parteiorgan entschieden entgegentreten, auch wenn sie noch in der Minderheit sind.". Er fragt außerdem: "Aber warum schweigen die Szenegrößen?" Eko Fresh ist nun freilich kein Unbekannter. Bakunin vermisst jedoch Rapper wie Sido, Kollegah oder Cro, die sich "bisher gescheut haben, ein lautes und klares Statement abzugeben." Kommt ja vielleicht noch.

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