Welt : Nach den Stürmen

Lousiana beschäftigt sich mit den Konsequenzen aus der Hurrikan-Katastrophe

Christoph von Marschall

Washington - Einen Monat, nachdem Hurrikan „Katrina“ New Orleans verwüstet hat, nimmt die Stadt den Wiederaufbau in Angriff, wird aber auf Schritt und Tritt an ihre Strukturprobleme erinnert. Bürgermeister Ray Nagin ernannte eine 17-köpfige Aufbaukommission, der Universitätspräsident Scott Cowen, der kathlische Erzbischof und wichtige Bauunternehmer, der Jazzmusiker Wynton Marsalis sowie je ein Vertreter der Hispanics und der vietnamesischen Minderheit angehören. Weiße und Schwarze sind paritätisch repräsentiert – die Tourismusbranche klagte, sie sei nicht berücksichtigt, obwohl sie die meisten Jobs stelle.

Die wohlhabenderen Stadtviertel wie French Quarter und Algiers, in denen ein Drittel der rund 500000 Bürger wohnt, sind offiziell für die Rückkehr geöffnet und haben Strom, nur Algiers auch Trinkwasser. Erste Politiker äußern vorsichtig Überlegungen, Viertel wie die Ninth Warf, die bei Überflutung als erste bedroht sind und in denen die Ärmsten wohnen, nicht wieder aufzubauen und so den Schwarzenanteil an der städtischen Bevölkerung von 66 auf rund 45 Prozent zu reduzieren. Diese Stadtteile sind die Brennpunkte von Drogen und Kriminalität.

Parallel berichten die US-Medien von Befürchtungen, größere Summen der Milliardenhilfe würden in der für Korruption berüchtigten Stadt und dem Staat Louisiana zweckentfremdet. Kurz vor „Katrina“ waren Prozesse gegen Mitarbeiter des Katastrophenschutzes wegen der Veruntreuung von 30 Millionen Dollar nach früheren Katastrophen zu Ende gegangen. Die städtische Polizei sah sich gezwungen, eine Untersuchung einzuleiten, inwieweit Polizisten sich an den Plünderungen während der jüngsten Überflutung beteiligt hatten.

Die Berichte über Anarchie, Schießereien und Verbrechen in den Tagen nach „Katrina“ waren nach Recherchen der Lokalzeitung „The Times-Picayune“ stark übertrieben: Durch Angst, Fantasie und Kommunikationsprobleme der Bürger wie der Medien wurden einzelne Zwischenfälle und Gerüchte überbewertet.

Die Bundesbehörde für Katastrophenschutz Fema steht weiter in der Kritik. Fünf Wochen nach dem Notstand seien erst 170 der versprochenen zehntausenden Container- und Ersatzwohnungen beziehbar. Fema verteidigt sich, der zweite Hurrikan „Rita“ habe die Arbeiten unterbrochen. Die beiden Wirbelstürme haben die US-Wirtschaft stark geschädigt: 300000 Jobs seien vernichtet und die für Konsum verfügbaren Einkommen um 100 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Zahl der Hurrikan-Toten wird in Lousiana mit 932 und in Mississippi mit 221 angegeben.

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