Welt : Nach der Flut drohen Malaria und Cholera

Werner Vogt

Vermehrt Krankheiten in Flüchtlingslagern - Gefahr durch weggeschwemmte LandminenWerner Vogt

Die Nothilfe für die Opfer der mosambikanischen Überschwemmungskatastrophe hat mit dem Eintreffen der Truppenkontingente aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Belgien am Wochenende zusätzliche Dynamik gewonnen. Am Dienstag morgen meldete die südafrikanische Nachrichtenagentur Sapa, dass 50 Helikopter und Transportflugzeuge sowie 100 Schlauchboote mit Aussenbordmotor im Katastrophengebiet unterwegs sind. Von deutscher Seite sind vier Bell-Helikopter der Bundeswehr und 3 Transporthubschrauber des Bundesgrenzschutzes im Einsatz. Von einer ersten Phase der Lebensrettung ist die Hilfsoperation nun in eine zweite Phase der Überlebenssicherung übergegangen.

Das Hauptgewicht der logistischen Anstrengungen liegt nun auf der Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln, sauberem Wasser und Medikamenten. Aus einer Bevölkerung von gut 19 Millionen Menschen sind 950 000 vom Hochwasser betroffen. Mindestens 473 000 Personen haben entweder alles verloren oder brauchen mindestens eine Versorgung mit Grundnahrungsmitteln während 10 Monaten, da ihre Felder zerstört und ihre paar Stück Vieh ertrunken sind. Wie Georgia Shaver vom World Food Programme sagte, müssen täglich mindestens 100 Tonnen Versorgungsmaterial im Land bewegt werden. Derzeit müssen 72 Flüchtlingslager versorgt werden. Die offizielle Opferzahl beträgt 400, dürfte aber in Wirklichkeit bei einigen Tausend Menschen liegen. Wie aus Mosambik verlautet, geht das Wasser im Limpopo, dessen Breite bis zu 12 Kilometern beträgt, sowie im Save-Fluss langsam zurück. Sobald die braune Brühe einmal abgeflossen ist, müssen Tausende von Tierkadavern entsorgt werden. Besonders schlimm ist jedoch die Tatsache, dass vermutlich Tausende von Landminen aus dem Bürgerkrieg (1975-92), die vor den Unwettern zumindest in bekannten und markierten Feldern placiert gewesen waren, durch die Überflutung weggespühlt wurden und nun an Orten, die vorher sicher waren, eine neue Gefahr für die Bevölkerung darstellen.

In den Flüchtlingslagern ist der Kampf gegen eine Reihe von Tropenkrankheiten aufgenommen worden. Neben Malaria, drohen die ersten Cholera-, Polio- und Typhusepidemien. In den überfüllten Flüchtlingslagern mit den zum Teil erst rudimentären sanitären Einrichtungen sind zudem Hepatitis-A sowie Hirnhautentzündung gravierende Gesundheitsprobleme. Die entsprechenden Medikamente kosten pro Patient von 5 Franken (Polio) bis zu 40 Franken im Fall der Hepatitis-A.

Auf dem internationalen Flughafen von Maputo herrscht seit Tagen Hochbetrieb. Die Ausrüstung für die Flugsicherung sind dabei spartanisch. Das arme Entwicklungsland verfügt über keine modernen Radaranlagen und Computer zur Luftraumüberwachung. Aus diesem Grund haben die Südafrikaner den Flughafen von Hoedspruit beim Krüger-Nationalpark für die Hilfsaktion freigegeben. Großbritannien und die USA haben dort eine Basis für Versorgungsflüge eingerichtet. Unterdessen sind auch an der Ostküste von Madagaskar katastrophale Zustände zu verzeichenn: Nach dem Durchzug der beiden Wirbelstürme Eline und Gloria sind etwa 10 000 Menschen obdachlos geworden. Unter den Betroffenen seien auch 2000 Kinder, wie ein Sprecher des Kinderhilfswerks Unicef mitteilte.

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