Nach der Geiselnahme in Ingolstadt : Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen oder Bürgernähe?

Nach der Geiselnahme in Ingolstadt diskutieren Polizei und Städtetag darüber, ob die Sicherheitsmaßnahmen in Rathäusern verschärft werden sollen. Einmal mehr steht das Prinzip der Nähe zu den Bürgern gegen die Sicherheit der Mitarbeiter.

Müssen die Sicherheitsmaßnahmen in Rathäusern verschärft werden? Nach der Geiselnahme in Ingolstadt kommt diese Diskussion auf.
Müssen die Sicherheitsmaßnahmen in Rathäusern verschärft werden? Nach der Geiselnahme in Ingolstadt kommt diese Diskussion auf.Foto: dpa

Nach der Geiselnahme in Ingolstadt haben sich Polizei-Gewerkschafter und der Bayerische Städtetag gegen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Rathäusern ausgesprochen. Die Tat in Ingolstadt sei ein Einzelfall gewesen. „Jetzt sofort verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Rathäusern zu fordern, halte ich für übertrieben“, sagte der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Schall, der Nachrichtenagentur dpa.

Sollten sich solche Fälle künftig jedoch häufen, müssten die Sicherheitskonzepte dann doch auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Schall. Grundsätzlich sollten Rathäuser aber weiterhin offene Gebäude sein, die von jedem Bürger ohne Leibesvisitation betreten werden können, fügte der GdP-Funktionär hinzu. Dieser Einschätzung schloss sich der bayerische Ableger der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) an. „Ich sehe nicht, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, nach verstärkter Sicherheit in Rathäusern zu rufen“, sagte DPoLG-Sprecher Rainer Schaller.

Sicherheit in Rathäusern versus Nähe zu den Bürgern

Als „schwieriges Spannungsfeld“ betrachtet der Bayerische Städtetag die Sicherheit in den Rathäusern. „Einerseits muss es natürlich Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter in den Rathäusern geben“, sagte Städtetags-Sprecher Achim Sing. „Andererseits dürfen die Rathäuser nicht zu abgeschotteten Bastionen werden.“ Sie müssten offen für die Bürger bleiben.

Spätestens seit dem Messerangriff auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss in Nordrhein-Westfalen sucht die Bundesagentur für Arbeit (BA) nach Möglichkeiten, um die Sicherheit zu erhöhen. In allen Arbeitsagenturen und Jobcentern, die teils in Rathäusern untergebracht sind, gibt es nach BA-Angaben inzwischen ein Sicherheitssystem. Es stehe den Jobcentern frei, eigene Sicherheitsdienste anzuheuern. Vorrangig setze die BA aber auf Deeskalationsstrategien: In Kursen erhielten Mitarbeiter das Rüstzeug, um beschwichtigend auf gewaltbereite Arbeitslose einzuwirken.

BA diskutiert schon seit Messerangriff in Jobcenter

Im Ingolstädter Rathaus hatte am Montag ein Stalker drei Menschen stundenlang als Geiseln festgehalten. Am Abend ging die Tat unblutig zu Ende. Der vorbestrafte Stalker hatte laut Polizei schon längere Zeit massive psychische Probleme. Seit mehreren Monaten stellte er einer Rathausmitarbeiterin nach, die dann auch unter den Geiseln war. (dpa)

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