Nach der neuen Panne : Turbulenzen um den Dreamliner

Das Loch im Rumpf einer Maschine ist nur der letzte Fall einer langen Pannenserie, mit der das Boeing-Modell zu kämpfen hat.

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Kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Dreamliner von Boeing.
Kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Dreamliner von Boeing.Foto: dpa

Die Boeing 787 der Air India, die auf einem Linienflug von Delhi nach Bangalore eine rund drei Quadratmeter große Platte der Rumpfverkleidung verloren hat, ist nur das jüngste Beispiel eine Pannenserie, die den Hersteller in Turbulenzen stürzt. Erst im Januar hatten die Behörden nach mehreren Batteriebränden ein rund dreimonatiges Flugverbot über das neue Flaggschiff des amerikanischen Flugzeugherstellers verhängt. Erst das Bodenpersonal hat am vergangenen Sonnabend bemerkt, dass im Rumpf der vor knapp zehn Monaten ausgelieferten Maschine ein riesiges Loch klaffte. Eine rund 2,44 Meter lange und 1,22 Meter breite Abdeckung an der Unterseite des Jets fehlte. Das Loch gewährte tiefe Einblicke in den zwischen den Frachträumen untergebrachten Betriebsraum für die Wechselstrom-Bordversorgung des Dreamliners. Während des Fluges der mit 148 Personen besetzten Maschine hatten die Piloten nichts Ungewöhnliches bemerkt.

Zunächst wurden die Bereiche um die Start- und Landebahnen in Delhi und Bangalore vergeblich nach der Platte abgesucht. Nunmehr wird vermutet, dass sie irgendwann im Laufe des Streckenfluges verloren ging. Wie sie sich lösen konnte, ist bisher völlig rätselhaft. Um die Maschine wieder fit zu machen, baute Air India die entsprechende Abdeckung der gerade erst übernommenen und noch nicht in Dienst gestellten, neunten 787 aus und flog sie nach Bangalore, wo damit das Loch im Pannenflieger geschlossen wurde. Danach konnte der Dreamliner den Rückflug nach Delhi antreten.

Erst kürzlich hatte Air India nach Überhitzung der Öfen in den Bordküchen ihrer 787 deren Stromversorgung auswechseln müssen. Im Juli geriet ein Dreamliner von Ethiopian Airlines auf dem Londoner Flughafen vermutlich nach einem Defekt eines Notsignalsenders in Brand. Nach zwei Bränden, die von den hier erstmals zum Einsatz kommenden Ionen-Lithium-Batterien verursacht wurden, hatte die 787-Flotte erst im April wieder die Starterlaubnis erhalten. Zuvor hatte Boeing ein Schutzsystem entwickelt, bei dem die Batterien von einem feuerfesten Kasten ummantelt sind. Bisher hat Boeing 89 Dreamliner ausgeliefert, 890 stehen in den Auftragsbüchern. Bei Airbus steht das Konkurrenzmodell A350 in der Flugerprobung, für den 725 Aufträge vorliegen. Die Auslieferung soll Mitte nächsten Jahres beginnen. Rainer W. During

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