Nach der Versteigerung : Prora - Monument eines langen Streits

Die Reaktionen auf die Versteigerung von Block 1 sind verhalten. Die Chance, für den Nazikomplex von Prora ein Gesamtkonzept zu finden, ist endgültig vertan. Die einzelnen Blöcke werden separat genutzt.

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Der Nazi-Gebäudekomplex Prora auf Rügen hat einen neuen Besitzer. Ein Berliner Investor hat das zweitgrößte noch erhaltene Nazi-Bauwerk für 2,75 Millionen Euro ersteigert.Alle Bilder anzeigen
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31.03.2012 20:07Der Nazi-Gebäudekomplex Prora auf Rügen hat einen neuen Besitzer. Ein Berliner Investor hat das zweitgrößte noch erhaltene...

Prora,KDF,VerteigerungSusanna Misgajski von der Informations- und Bildungsstätte Prora-Zentrum ist skeptisch: „Ich hoffe, dass gekauft wurde, um endlich etwas zu sanieren.“ Kein Verständnis hätte sie für einen Spekulanten, der darauf setzt, dass die maroden Gebäude irgendwann doch abgerissen werden dürfen. Denn vor den sechsstöckig graubeige verputzten Fassaden liegt der weiße Strand. Nachdem am Sonnabend Block 1 des riesigen alten Nazikomplexes in Prora an einen Berliner Investor versteigert worden war, sind die Reaktionen verhalten, was die Zukunft des knapp fünf Kilometer langen Komplexes gleich hinterm Ostseestrand angeht. Für 2,75 Millionen Euro hatte der anonyme Telefonbieter den Zuschlag erhalten.

Historiker hatten befürchtet, dass sich bei einer solchen Privatauktion Rechtsextreme einkaufen könnten.

Susanna Misgajski erwartet von dem Investor, dass der „historische Ort“ in seiner Monumentalität erhalten und vor allem für jedermann zugänglich bleibt. Dies durch eine „Stiftung Prora“ zu ermöglichen, wie sie einmal im Gespräch war, sei „unrealistisch“ gewesen, gibt sie zu.

„Um über ein geschlossenes Konzept für Prora zu diskutieren, ist es inzwischen wohl zu spät“, sagt auch Burkhard Lenz, CDU-Landtagsabgeordneter von der Insel Rügen. Er hofft, dass die Käufer der einzelnen Blöcke sich untereinander absprechen und dem „Koloss von Rügen“ zu einem einheitlichen äußeren Bild verhelfen. „Noch fehlt es an Infrastruktur um das Gebäude herum, aber auch an kulturellen Einrichtungen“, sagt Lenz. Bestenfalls kann daraus aber „ein interessantes Konzept“ werden, schlimmstenfalls allerdings auch „Chaos“.

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