• Nach Erschießung von Myuran Sukumaran in Indonesien: Mutter eines Hingerichteten greift Staatschef an

Nach Erschießung von Myuran Sukumaran in Indonesien : Mutter eines Hingerichteten greift Staatschef an

Ihr Sohn war wegen Drogenschmuggels in Indonesien zum Tode verurteilt worden. Jetzt hat die Mutter des Austaliers Myuran Sukumaran in einem emotionalen Brief schwere Vorwürfe gegen Staatschef Joko Widodo erhoben.

Barbara Barkhausen
Raji Sukumaran und ihr Sohn Chinthu am Samstag bei der Trauerfeier für Myuran Sukumaran.
Raji Sukumaran und ihr Sohn Chinthu am Samstag bei der Trauerfeier für Myuran Sukumaran.Foto: AFP

Die Mutter des hingerichteten australischen Drogenschmugglers Myuran Sukumaran hat einen Brief an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo geschrieben, der sich weigerte, ihren Sohn zu begnadigen. Sukumaran war vergangene Woche zusammen mit sieben anderen Drogenschmugglern in Indonesien erschossen worden.

Präsident Joko Widodo lehnt Begnadigungen ab

"Ich hoffe, Ihre Kinder werden nie einen Fehler machen", schrieb Raji Sukumaran an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo, der eine harsche Politik gegen Drogenhändler vertritt und Begnadigungen von zum Tode Verurteilten ablehnt. "Ich weiß nicht, wo Sie waren, als die Männer, die Sie beauftragt haben, meinen Sohn und sieben andere zu töten, den Abzug drückten, aber ich bin sicher, Sie waren weit weg."

Myuran Sukumaran war wegen Drogenschmuggels hingerichtet worden.
Myuran Sukumaran war wegen Drogenschmuggels hingerichtet worden.Foto: AFP

Raji Sukumaran ließ den Brief noch vor der Beerdigung ihres Sohnes am Samstag über australische Medien veröffentlichen. Die Mutter hofft, mit ihren Worten anderen Todeskandidaten und deren Familien helfen zu können. Der zweite hingerichtete Australier, Andrew Chan, war unter großer öffentlicher Anteilnahme am Freitag in Sydney beerdigt worden.

Myuran Sukumaran und Andrew Chan waren vor zehn Jahren verhaftet worden

Als Sukumaran und Chan vor zehn Jahren bei dem Versuch erwischt worden waren, 8,3 Kilogramm Heroin von Bali nach Australien zu schmuggeln, hatten die meisten Australier höchstens Verachtung für die beiden Anführer des sogenannten Bali-Neun-Drogenkartells übrig gehabt. Doch Chan und Sukumaran hatten in der vergangenen Dekade eine höchst erstaunliche Resozialisierung geschafft. Viele fanden daher, dass die beiden eine zweite Chance verdient gehabt hätten.

Dem Präsidenten Joko Widodo wird vorgeworfen, dass er seine Macht demonstrieren wollte.
Dem Präsidenten Joko Widodo wird vorgeworfen, dass er seine Macht demonstrieren wollte.Foto: AFP

Raji Sukumaran gestand ein, dass ihr Sohn und Chan ein Verbrechen begangen hatten und zu Recht im Gefängnis saßen, doch beide hätten sich zu Vorbildern für andere Häftlinge entwickelt: "Mein Sohn hat nie darum gebeten wegen seiner Rehabilitierung freigelassen zu werden, alles was er bat, war, dass er nicht getötet werde." Der 34-jährige Sukumaran hatte sich zu einem begabten Künstler entwickelt und hatte geholfen, mit Malkursen andere Häftlinge zu reformieren.

Sukumaran freute sich seiner Mutter zufolge 2014 noch über die Wahl des volksnah erscheinenden Widodos und hoffte, dass dieser diejenigen unterstützen würde, die sich verbessert hatten. "Damit hatte er aber wohl nicht recht", schrieb Sukumaran. "Ich habe in den vergangenen vier Monaten zugeschaut, wie Sie ihn gefoltert haben, indem Sie Witze über sein Leben gemacht haben, ihn die Nacht raten ließen, wann er erschossen werde und offen darüber diskutiert haben, wie er sterben werde, und damit unsere Familie vorgeführt und gedemütigt haben."

Beobachter hielten die Exekutionen für einen Machtbeweis des Staatschefs

Die Frau sprach auch aus, was viele Menschen in Australien denken: "Ihre Gründe, diese Menschenleben zu nehmen, hatten nichts damit zu tun, Drogen zu verhindern, dafür aber alles mit ihrer Politik." Die Beliebtheit von Joko Widodo war in den vergangenen Monaten rückläufig. Beobachter hielten die Exekutionen deswegen für einen Machtbeweis des einstigen Möbelhändlers.

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