Nach Flugzeugunglück in Pakistan : Ermittlungen gegen Airline eingeleitet

Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz mit 127 Toten hat die pakistanische Regierung Ermittlungen zu dem Unglück eingeleitet. Die Unfall-Ursache ist weiter unklar.

Die Passagiermaschine der Bhoja Air war während eines Gewitters im Landeanflug auf die Hauptstadt Islamabad abgestürzt. Alle Insassen kamen dabei ums Leben. Die Fluggesellschaft, die nach einer elfjährigen Pause erst im März wieder den Betrieb aufgenommen hatte, machte das schlechte Wetter für den Absturz verantwortlich.

Kurz vor der Landung auf dem Benazir-Bhutto-Flughafen brach der Kontakt zum Tower ab und die Maschine stürzte auf ein etwa 15 Kilometer vom Flughafen entferntes Dorf. Alle Passagiere und die Crew kamen ums Leben. Unter den Dorfbewohnern gab es laut Behördenangaben keine Opfer. Die Helfer hatten die Nacht durchgearbeitet und die Bergungsarbeiten seien beinahe abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Zivilluftfahrtsbehörde. Auch die Flugschreiber der Unglücksmaschine wurden geborgen. Die Ursache des Unglücks ist weiter ungeklärt.

Airline-Chef Farooq Bhoja sei auf eine Liste gesetzt worden, die es ihm verbiete, das Land zu verlassen, sagte Innenminister Rehman Malik am Samstag am Unglücksort. Ein solches Verbot wird in Pakistan oft über Verdächtige in einem Strafverfahren verhängt. „Angeblich war das Flugzeug ziemlich alt. Deshalb wurde eine genaue Untersuchung der Flugtüchtigkeit der Bhoja-Air-Maschinen angeordnet, sagte Malik. Es werde untersucht, ob ein Fehler am Flugzeug, ein Blitz, das schlechte Wetter oder irgendein anderer Faktor für den Verlust so vieler Menschenleben verantwortlich gewesen sei.

Pakistanische Ärzte haben inzwischen gut die Hälfte der 127 Todesopfer identifiziert. Die Leichensäcke wurden von der Unglücksstelle zur Untersuchung gebracht, sagte der Direktor des medizinisch-wissenschaftlichen Instituts in Islamabad am Samstag. Man habe bereits rund 70 Opfer identifiziert. Die sterblichen Überreste von 54 Opfern wurden den Angehörigen übergeben, fügte er hinzu.

Flugzeug stürzt in Pakistan ab
Auch am Samstagmorgen laufen die Bergungsarbeiten an den weit verbreitet liegenden Wrackteilen weiter. Die Boeing 747 war am Freitag den 20. April beim Landeflug auf die pakistanische Hauptstadt Islamabad abgestürzt, 127 Menschen kamen ums Leben.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dapd
21.04.2012 11:45Auch am Samstagmorgen laufen die Bergungsarbeiten an den weit verbreitet liegenden Wrackteilen weiter. Die Boeing 747 war am...

Innenminister Rehman Malik sagte, das Flugzeug wurde vermutlich von einem Blitz getroffen. Zum Unglückszeitpunkt regnete es stark.Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unterdessen, dass die Boeing 737-200 der pakistanischen Fluggesellschaft 28 Jahre alt war und von einer südafrikanischen Fluglinie gekauft worden sei, wie ein Beamter der zivilen Luftfahrtbehörde CAA am Samstag der Nachrichtenagentur mitteilte.

Ein Vertreter der Fluglinie beharrte jedoch darauf, dass die Maschine sicher gewesen sei. Es sei nichts Besonderes, dass Flugzeuge gebraucht und alt seien, die wenigsten Fluglinien hätten neue Maschinen. Auch die staatliche Pakistan International Airlines (PIA) habe alte Flugzeuge, sagte Masham Zafar. Es habe keine technischen Probleme gegeben, und das schlechte Wetter sei für den Absturz verantwortlich.

Bhoja Air war eine der ersten privaten Fluggesellschaften, die 1993 nach dem Ende des Monopols der staatlichen Firma PIA eine Lizenz in Pakistan erhalten hatten. Im Jahr 2000 war jedoch von der Luftfahrtbehörde CAA gegen Bhoja wegen ausstehender Gebühren ein Flugverbot verhängt worden. Erst im März erhielt die Firma wieder eine Lizenz und nahm die Flüge von Karachi nach Islamabad wieder auf. Sie warb damit, diese Verbindung am preisgünstigsten anzubieten. (dpa/dapd/AFP)

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