Welt : Nach Hause, bitte

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Bremerhaven (dpa). Noch ist die Stimmung auf der im Eis eingeschlossenen „Magdalena Oldendorff“ gut. „Aber irgendwann will man nur noch nach Hause“, sagte der stellvertretende Logistik-Chef des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes (AWI), Saad El Naggar, in einem Gespräch. Der 55 Jahre alte Physiker weiß, wovon er spricht: 12 Mal war er bereits in der Antarktis, die meiste Zeit nur rund 300 Kilometer von der Stelle entfernt, an der das deutsche Schiff mit 107 Menschen an Bord im Meereis gefangen ist.

Wenn Naggar über die aktuelle Situation am kalten Südende der Erde spricht, klingt er recht entspannt: „Minus 15 Grad Lufttemperatur sind eigentlich nicht weiter schlimm.“ Auch die Situation des Versorgungsschiffes für die russische Antarktis-Station beurteilt er nicht als Besorgnis erregend: „So lange das Schiff noch freies Wasser um sich hat, kann nicht viel passieren.“ Aber das Wetter kann jetzt in der Antarktis jederzeit umschlagen: „Plötzliche starke Winde stellen die größte Gefahr da.“ Sturm könnte die Eisschollen auf dem Wasser zusammendrücken, so dass sie das Schiff schließlich gegen die Eiskante pressen, an der es zurzeit ankert: „Dann bestünde die Gefahr, dass das Schiff zerdrückt wird.“ Zudem sinkt die Lufttemperatur dann schnell auf unter minus 40 Grad.

Ein bisschen, so vermutet der Logistik-Experte, haben die Russen an Bord der „Magdalena Oldendorff“ Pech gehabt. Eigentlich sollten sie schon längst zu Hause sein, doch dann verzögerte sich die Abfahrt des Versorgungsschiffes von der russischen Station: „Noch vor sechs Wochen wäre es kein Problem gewesen, das Seegebiet zu passieren.“ Inzwischen hat jedoch der antarktische Winter eingesetzt: „Da frieren die Fahrrinnen zu.“

Für die Menschen an Bord heißt es deshalb warten, bis Hilfe kommt: „So lange bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mit der Bordroutine zu beschäftigen.“

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