Nach jahrelangen Diskussionen : US-Pfadfinder lassen Schwule als Teamleiter zu

Die Pfadfinder in den USA haben sich vor zwei Jahren auch schwulen Jugendlichen geöffnet. Homosexuelle Betreuer blieben bislang außen vor. Nun gibt sich der Bundesverband neue Regeln - mit Ausnahmen.

Ein Pfadfinder in den USA.
Ein Pfadfinder in den USA.Foto: dpa

Die US-Pfadfinder lassen nach einer jahrelangen Diskussion künftig auch homosexuelle Erwachsene als angestellte Betreuer und Teamleiter für die Jugendorganisation arbeiten. Damit unternimmt die Bewegung, der laut Medien rund 2,4 Millionen US-Jugendliche angehören, einen weiteren, vielbeachteten Schritt gegen Diskriminierung. Der Verband der US-Pfadfinder beschloss die Neuerung am Montag (Ortszeit) in einer Telefonkonferenz der landesweiten Führung, wie die Organisation mitteilte. Zuvor habe sich eine große Mehrheit im Führungsrat für den Kurs entschieden. Liberale Kräfte und die Organisation Scouts for Equality, die für die Neuerung kämpfte, begrüßten den Beschluss.

Einige Religionsgemeinschaften, die eng mit den amerikanischen Pfadfindern zusammenarbeiten, reagierten ablehnend und kündigten weiteren Widerstand an. Bisher wurden erwachsene schwule Betreuer, Gruppenleiter und Angestellte nicht geduldet. Diese alten Statuten drohten, das Image der mehr als 100 Jahre alten Bewegung zu beschädigen - auch angesichts von mehr Toleranz in der US-Gesellschaft. „Im Zuge der sozialen, politischen und gesetzlichen Veränderungen in unserem Land sowie in unserer Bewegung hielt ich die (bisherigen) Richtlinien nicht mehr für tragbar“, sagte der Pfadfinderpräsident und ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates. „Ab heute schauen die US-Pfadfinder als Organisation nach vorn und nicht nach hinten“, schrieben die Scouts for Equality in einer Reaktion. „Dieses Thema hat uns viel zu lange gespalten und abgelenkt“, sagte Gates weiter.

Ehemalige Angestellte und freiwillige Betreuer hatten in Vergangenheit etliche Prozesse angestrengt. Mit der Entscheidung, Schwule nun auch in der Führung zuzulassen, wolle die Pfadfinderorganisation weitere Schlagzeilen auf der nationalen Ebene vermeiden, meinten Zeitungskommentatoren. Die Pfadfinder hatten 2013 beschlossen, junge Homosexuelle als Mitglieder zuzulassen. Die Leitungspositionen blieben dabei bewusst außen vor. Auch die Neuregelung lässt Ausnahmen zu: Untergruppen könnten selbst entscheiden, ob sie die Regeln für freiwillige Teamleiter anwenden, berichteten Medien. Damit kommt der Jugendverband konservativ-kirchlichen Gruppen entgegen, die die offene Haltung ablehnen, aber viel Geld geben. So ließen die Pfadfinder allerdings zu, dass Schwule teilweise weiter diskriminiert würden, entgegnete die Bürgerrechtsgruppe Human Rights Campaign, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt.

Laut US-Medienberichten werden 70 Prozent der örtlichen Pfadfindergruppen von religiösen Gruppen getragen, von denen einige Homosexualität ablehnen. Die Mormonenkirche gab nach der Mitteilung des Beschlusses bekannt, sie wolle ihre Zusammenarbeit mit den Pfadfindern überprüfen. (dpa)

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