Welt : Nach Kirchenbrand in Uganda inzwischen 900 Tote entdeckt

Bei der Fahndung nach den Mördern von mehr als 900 Mitgliedern einer Weltuntergangssekte in Uganda hat ein Gericht in Kampala Haftbefehle gegen sechs führende Sektenmitglieder erlassen. Die Anführer der "Bewegung für die Wiederherstellung der Zehn Gebote Gottes" stünden unter dem Verdacht, im März in einer Kirche in Kanungu mindestens zehn Sektenanhänger ermordet zu haben, teilte der leitende Staatsanwalt am Freitag in Kampala mit. Die zehn identifizierten Leichen gehörten zu den etwa 500 Toten, die in der ausgebrannten Kirche im Südwesten Ugandas gefunden worden seien. Etwa 400 Leichen wurden inzwischen an weiteren Orten entdeckt.

Die Anführer der Sekte hatten für den Beginn des neuen Jahrtausends den Weltuntergang verkündet und ihre Anhänger zum Verkauf ihres Hab und Gutes aufgefordert. Die Polizei geht in ihren Ermittlungen davon aus, dass enttäuschte Sektenmitglieder den Anführern Verrat vorwarfen und ihr der Sekte gegebenes Geld zurückforderten. Daraufhin sollen die Anführer die Anhänger in Kirchen und Häusern zusammengerufen und umgebracht haben. Unter den per Haftbefehl gesuchten Sektenanführern waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch der Hauptverdächtige Joseph Kibwetere sowie seine Stellvertreterin Gredonia Mwerinda. Kibwetere gilt als gescheiterter Politiker und hatte sich zuletzt als Prophet ausgegeben, der direkt mit Jesus sprach. Zur Ergreifung weiterer führender Sektenmitglieder, die sich vermutlich ins Ausland abgesetzt haben, waren bereits Ende März bei der internationalen Polizeiorganisation Interpol Haftbefehle beantragt worden. Bislang wurde lediglich ein Kommunalbeamter festgenommen, der Warnungen des Geheimdienstes vor der Gefährlichkeit der Sekte nicht weitergeleitet haben soll.

Erst am Dienstag hatte die staatliche Tageszeitung "New Vision" berichtet, bei der Massenverbrennung hätten nach Zeugenaussagen offenbar angeheuerte Söldner den Sektenführern geholfen.

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