• Nach mehr als 30 Jahren: Australische Regierung entschuldigt sich für Zwangsadoptionen

Nach mehr als 30 Jahren : Australische Regierung entschuldigt sich für Zwangsadoptionen

Kaum auf der Welt wurden Säuglinge in Australien Müttern entrissen und zur Adoption freigegeben. Die Praxis dauerte mehr als 30 Jahre. Jetzt entschuldigt sich die Regierung. Es gibt auch Geld.

Unverheirateten Müttern in Australien wurden von den 50er Jahren an bis in die 70er Jahre schätzungsweise 150 000 Babys weggenommen.
Unverheirateten Müttern in Australien wurden von den 50er Jahren an bis in die 70er Jahre schätzungsweise 150 000 Babys...Foto: dpa

In Australien sind unverheiratete Mütter Jahrzehnte lang gezwungen worden, ihre Babys zur Adoption freizugeben - am Donnerstag hat sich die Regierung dafür formal entschuldigt. „Wir verurteilen diese beschämende Praxis, die euch, den Müttern, das Grundrecht entzogen hat, eure Kinder zu lieben und aufzuziehen“, sagte Premierministerin Julia Gillard im Parlament.

„Wir räumen die tiefgreifenden Folgen dieser Politik und Praxis für Väter ein, und erkennen den Schmerz an, den dies Brüdern, Schwestern, Großeltern, Partnern und anderen Familienangehörigen zugefügt hat.“ Etwa 800 Betroffene hörten die Worte der Politikerin, Gillard erhielt mehrfach Applaus.

„Worte könnten den Schaden nicht wieder gut machen“, sagte die Labor-Parteichefin. Die Regierung stellte fünf Millionen australische Dollar (vier Millionen Euro) für Therapien und für Nachforschungen nach Verwandten zur Verfügung. Das Nationalarchiv bekommt 1,5 Millionen Dollar für die Aufarbeitung des Themas.

Seit den 50er und bis in die 70er Jahre wurden Müttern nach Schätzungen 150 000 Babys weggenommen, auch gegen den Protest der Frauen. Die Behörden setzen die vorherrschende Meinung um, dass unverheiratete oder minderjährige Mütter die Kinder nicht richtig aufziehen können. Viele wurden zur Adoption freigegeben, einige verbrachten ihre Kindheit auch in Heimen.

Überschattet wurde der Akt von einer Labor-Parteirevolte gegen Gillard, die in der Fraktion Stunden später die Vertrauensfrage stellen musste. Ihre Parteikollegen bestätigten sie im Amt. Die Revolte verdrängte alle anderen Themen aus den Schlagzeilen. (dpa)

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