Nach Notlandung : Materialfehler oder fehlerhaftes Design

Der Triebwerkschaden beim einem Qantas-Airbus A380 geht nach einer ersten Einschätzung der Fluggesellschaft auf ein fehlerhaftes Design des Triebwerks oder einen Materialfehler zurück.

Bei der Notlandung eines australischen Airbus A380 in Singapur sind nach Angaben der Fluggesellschaft die Reifen geplatzt. „Das Flugzeug war bei der Landung schwer. Einige Reifen sind geplatzt“, sagte Qantas-Chef Alan Joyce am Freitag bei einer Pressekonferenz in Sydney. „Aber das war unbedeutend.“ Zu der Ursache für den Schaden an dem von Rolls-Royce hergestellten Triebwerk sagte Joyce, vermutlich handle es sich um einen Materialfehler oder einen Fehler in der Konzeption. „Wir glauben nicht, dass es etwas mit der Wartung zu tun hat.“

Flug QF32 mit 440 Passagieren und 26 Besatzungsmitgliedern an Bord war am Donnerstag in Singapur notgelandet. Die Maschine hatte fünf Minuten nach dem Start in knapp 2000 Metern Höhe nach einem lauten Knall Teile der Triebwerk-Verkleidung verloren. Der Pilot ließ zunächst Benzin ab und kehrte dann um. Er landete die Maschine ohne Zwischenfall. Dabei barsten nach Angaben von Joyce allerdings einige Reifen. Auch ließ sich das Triebwerk eins nach der Landung nicht abschalten. Die fallenden Metallteile hätten die Benzintanks beschädigen können, sagte Joyce. „Deshalb fliegen wir den Airbus A380 heute noch nicht.“

Rolls-Royce hatte die Fluggesellschaften, die den A380 einsetzen, aufgerufen, das speziell für den Superjumbo entwickelte Triebwerk Trent 900 zu überprüfen. Die Lufthansa strich daher am Donnerstagabend den Einsatz eines A380 für einen Flug von Frankfurt nach Johannesburg, wollte die Maschinen aber nicht generell aus dem Verkehr ziehen.
Laut Joyce will Qantas spätestens am Sonntag wieder seine A380-Flugzeuge einsetzen. „Wir denken, dass in den kommenden 24 bis 48 Stunden die Überprüfungen aller A380 abgeschlossen sein werden“, sagte er. „Wenn wir nichts Negatives finden, werden die Flugzeuge wieder eingesetzt.“
Der Zwischenfall löste aber Diskussionen über die Sicherheit des größten Passagierflugzeugs der Welt aus. Singapore Airlines kündigte am Freitag an, nach einer Überprüfung ihrer Flotte aus elf A380 seien die Flüge mit dem Superjumbo wieder aufgenommen worden.

Der notgelandete Qantas-Airbus A380 war zum Service-Check bei Lufthansa-Technik in Frankfurt. Die Maschine, war dafür Anfang Oktober in Deutschland, bestätigte der Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann am Freitag in Singapur. Bei der Wartung seien aber nicht die Triebwerke geprüft worden. „Bei der Maschine ist ein C-Check durchgeführt worden, das lässt sich mit der Inspektion eines Autos vergleichen“, sagte Püttmann.

„Dabei werden die besonders beanspruchten Teile untersucht und geprüft, wie etwa die Reifen, die Hydraulik und das Fahrwerk. In dem Vertrag mit Qantas sind aber die Triebwerke nicht Bestandteil dieser Wartung.“ Auf der Webeseite von Lufthansa-Technik heißt es: „Für den C-Check, der zwischen 1500 und 2000 Arbeitsstunden beanspruchen kann, bleibt ein Flugzeug bis zu fünf Tage in der Wartungshalle.“    Qantas hatte der Lufthansa Technik zuvor ihr Vertrauen ausgesprochen. Sie reagierte auf Vorwürfe einer australischen Gewerkschaft von Luftfahrtingenieuren, deren Chef Steve Purvinas Sorge über die Sicherheit der australischen A380-Flotte geäußert hatte, weil die Wartung oft im Ausland stattfinde.

„Lufthansa ist eine führende internationale Fluggesellschaft, einer der Top-Anbieter von Ingenieurs- und Wartungsleistungen und setzt selbst A380 ein“, teilte Qantas-Chef Alan Joyce mit. „Die Rolls Royce Trent 900-Triebwerke werden in Rolls-Royce-Werkstätten überholt. Den Eindruck zu erwecken, Lufthansa und Rolls-Royce hätten nicht die Expertise und Erfahrung, Sicherheitschecks mit den höchsten Qualitätsansprüchen durchzuführen, ist aberwitzig.“

Die zwei Jahre alte Maschine hatte nach Angaben von Joyce 8165 Flugstunden hinter sich. Sie war Anfang Oktober zu einem Service- Check bei Lufthansa Technik in Frankfurt gewartet worden. Dazu gehörte aber nicht die Prüfung der Triebwerke, die Qantas direkt vom Hersteller untersuchen lässt. Qantas stoppte alle Flüge mit dem A380 und unterzog die fünf restlichen A380 einem achtstündigen Test. Sollten alle Sicherheitschecks zufriedenstellend verlaufen, würden sie innerhalb von 48 Stunden wieder in den Dienst gestellt, sagte Joyce. (dpa/AFP)

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