Nach Papst-Rücktritt : Was macht Benedikt jetzt?

Die Entscheidung von Benedikt XVI. hat die katholische Kirche erschüttert. Wird das Ereignis einen Wandel auslösen?

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Der Campo Santo Teutonico ist ein ruhiges Fleckchen, eine Insel innerhalb des Vatikans. Hier finden fromme deutsche Rombewohner ihre letzte Ruhestätte. In eine von den Säulen des uralten Kreuzgangs ist neuerdings das Wappen Benedikts XVI. gemeißelt – und darunter hat jemand am Tag des päpstlichen Rücktritts einen Blumentopf gerückt, ein weißes Alpenveilchen von den Gräbern daneben. So als wäre der Papst schon tot.

Wie ist die Stimmung in Rom?

Die deutschen Touristen, die man am Tag danach im Campo Santo antrifft, die finden Benedikts Entscheidung durchweg „mutig“. Der Papst habe „einen vernünftigen Zeitpunkt“ gewählt, sagt ein Würzburger: „Wenn einer sieht, dass er nicht mehr kann...“ Gut so, sagt auch eine Frau aus Ulm: „Wir haben beim vorigen Papst das Sterben über so viele Jahre miterlebt, das mussten wir jetzt nicht nochmal haben.“ Wenn man diese Leute fragt, wie es nun weitergehen soll mit der katholischen Kirche, dann will nur einer „Kurs halten“. Alle anderen hätten jetzt gerne einen jüngeren Papst, „einen aus der so genannten Dritten Welt“, „einen offeneren“, „einen mit frischen Ideen“, einen Schwarzen, warum nicht: „Die Welt sieht ja immer nur weiß aus, in Wirklichkeit lebt die Mehrheit der Katholiken in ganz anderen Weltgegenden.“

Papst Benedikt - sein Leben in Bildern
Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Hier können Sie seine wichtigsten Lebensstationen in Bildern nachverfolgen. Das Foto zeigt den Schuljungen Josef Ratzinger im Jahr 1932 in Aschau am Inn. Am Tag seiner Rücktrittserklärung würdigte ihn der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) als „größten Sohn Bayerns“ in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Landes.Weitere Bilder anzeigen
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11.02.2013 17:29Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Hier können Sie seine wichtigsten Lebensstationen in Bildern nachverfolgen....

Gibt es jetzt einen Kurswechsel?

Die Kardinäle werden sich von nächster Woche an zu Beratungen in Rom und von Mitte März an – wenigstens die 118 unter ihnen, die noch keine 80 Jahre alt sind – im Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammenfinden. Von den Wahlberechtigten verdankt die Mehrheit ihre Ernennung dem heutigen Papst; es ist nicht damit zu rechnen, dass sie von vornherein eine Kurskorrektur wählen.

Der Neue übernimmt außerdem eine durchweg von Benedikt XVI. zusammengesetzte Kurie. Er ist zwar frei, sämtliche Ämter neu zu besetzen – sie erlöschen ja mit dem Tod oder dem Rücktritt eines Papstes –, aber wer würde sich den Affront antun, beispielsweise den Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, abzulösen? Da dieser als Herausgeber auch das gesamte theologische Werk Joseph Ratzingers verwaltet, käme seine Versetzung einem Schlag ins Gesicht des früheren Papstes gleich. Insofern hat Benedikt XVI. schon mit der Ernennung des früheren Regensburger Bischofs zum obersten Glaubenshüter im vergangenen Jahr die Kontinuität vorgegeben.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass die katholischen „Rechten“ noch stärker werden. Gerade in der Auseinandersetzung mit den ultrakonservativen Pius-Brüdern gab es eine starke Polarisierung unter Kardinälen und Bischöfen. Und gerade die Konservativen in Kurie und Kardinalsgremium haben Benedikt seinen Rücktritt sehr übel genommen. „Man steigt nicht herab vom Kreuz“, rief Kardinal Stanislaw Dziwisz, der Privatsekretär Johannes Pauls II., aus Krakau nach Rom. Und wer in der Umgebung des erzkonservativen römischen Kardinals Dario Castrillon Hoyos nachfragt, bekommt zu hören, der „weichliche“ Benedikt XVI. habe mit seinem Rücktritt der Autorität des Papstamts geschadet.

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