Nach Renovierung : Gutenberg-Gymnasium zurück ins Stammhaus

Drei Jahre nach dem Massaker mit 17 Toten hat das Gutenberg-Gymnasium Erfurt am Donnerstag den Unterricht in seinem angestammten Haus wieder aufgenommen.

Erfurt (25.08.2005, 14:47 Uhr) - Das umfangreich sanierte Jugendstilgebäude sei «zum Symbol des Selbstbehauptungswillens einer Schulgemeinschaft geworden», sagte Harald Döring, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Gutenberg-Gymnasiums. Das Haus war in den vergangenen Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von knapp zehn Millionen Euro renoviert und erweitert worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird am kommenden Montag die Schule besuchen.

Die rund 600 Schüler waren drei Jahre lang in einem Ausweichquartier untergebracht. Bereits vor den Sommerferien hatten sie während einer Projektwoche das Schulgebäude wieder belebt. Dort entstand auch ein Raum der Stille, der an die Opfer der Bluttat erinnern soll. Am 26. April 2002 hatte ein Ex-Schüler das Gebäude gestürmt und zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten erschossen. Dann tötete er sich selbst.

Göring hob hervor, dass sich Schüler, Lehrer und Eltern stark mit der Schule und dem Schulgebäude identifizierten. Aus diesem Grund sei die Gemeinschaft nach dem Verbrechen auch intakt geblieben. «Das ist eine bemerkenswerte kulturelle Leistung.»

Für Schuldirektorin Christiane Alt ist der Alltag in das Gymnasium eingekehrt. «Wir hatten heute einen ganz normalen, stressigen ersten Schultag mit so profanen Fragen wie Schulbuchkauf und Klassenzuteilung.» Die psychologische Betreuung an der Schule sei im vergangenen Schuljahr beendet worden. «Im Schulamt steht präventiv eine Schulpsychologin bereit.» Einige Lehrer und Schüler gingen weiterhin privat in Behandlung.

Bis auf wenige Ausnahmen sind nach Information von Alt alle Lehrer und Schüler dem Gymnasium treu geblieben. In der Zwischenzeit seien zudem vier Jahrgänge neu aufgenommen worden. «Wir haben mit 636 Schülern so viele wir vor drei Jahren und mussten jetzt in den oberen Jahrgangsstufen sogar einige Bewerber ablehnen.» Der Vorfall vom 26. April werde immer wieder thematisiert. «Die Schüler erzählen sich untereinander davon und entwickeln dabei eine hohe Sensibilität», sagte Alt. «Das ist für uns Lehrer eine schöne Erfahrung.»

Im umgebauten Schulgebäude ist im Dachgeschoss ein «Raum der Stille» mit besonderer Beleuchtung entstanden. «Die Schüler werden in den kommenden Monaten die weitere Ausgestaltung übernehmen.» Das Zimmer solle eine Rückzugsmöglichkeit eröffnen. «Er ist aber kein Raum des Gedenkens.» Dafür werde eine Tafel mit den Namen der Opfer am Eingang angebracht.

Der Kanzler-Besuch ist nach dem Willen der Organisatoren ganz auf die Schüler und Eltern zugeschnitten. Sie stellen die überwiegende Mehrheit der rund 800 geladenen Gästen. Hinzu kommen Hinterbliebene der Opfer sowie Vertreter der politischen Parteien und der Kirchen. (tso/dpa)

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