Welt : Nach Schiffsunglück vor Dänemark: Ölpest bedroht Rastgebiet von Seevögeln

Internationale Rettungstrupps haben am Freitag ihren Kampf gegen eine drohende Ölpest auf der Ostsee fortgesetzt. Teile des Ölteppichs aus dem havarierten Öltanker "Baltic Carrier" erreichten am Vormittag die süddänischen Inseln Mön und Falster. Mindestens 1000 Vögel starben nach Angaben des WWF bereits im Öl. Die internationale Rettungstrupps und ruhigeres Wetter verhinderten jedoch vorerst eine weitere Ausbreitung der Ölpest.

Einzelne Öllachen des insgesamt 15 Kilometer langen Ölteppichs schwappten an mindestens vier dänische Inseln. Die Katastrophe bedroht die Lebensräume und Durchzugsgebiete für Enten, Gänse und Watvögel. Das Bundesverkehrsministerium forderte schärfere Maßnahmen für die Schiffsicherheit.

Mindestens 100 Helfer, darunter viele Freiwillige, versuchten teilweise mit den bloßen Händen, die Küsten der süddänischen Inseln Mön, Falster, Bogö und Farö zu reinigen. Die dänischen Schifffahrtsbehörden hofften, dass das Öl nach einer Verbesserung des Wetters auf die offene Ostsee zurücktreibt. Dänische, deutsche und schwedische Schiffe bemühten sich darum, das Öl dort einzufangen und aufzusaugen. Bei ungünstigem Wind könnte das Öl auch weiter getrieben werden und schwedische Küstenabschnitte erreichen, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Stralsund, Falk Meyer.

Zuvor hatten Sturm und hoher Wellengang Säuberungsversuche scheitern lassen und den Ölteppich in viele Einzelteile zerrissen. Im dänischen Grönsund wurden viele ölverschmierte Schwäne und Seevögel gesehen. "Dänemark droht die größte Ölpest in seiner Geschichte", warnte der Ostsee-Experte des World Wide Fund for Nature (WWF), Alfred Schumm. Die betroffene Meerenge Grönsund sei ein ökologisch "extrem sensibles Gebiet". Das Sterben der Vögel würde weitergehen. Das ausgelaufene Öl beginne außerdem bereits zu versinken und setze sich in zähen Klumpen auf dem Meeresboden dauerhaft ab.

Am Donnerstag war der Tanker "Baltic Carrier" in der Kadetrinne in der Ostsee von einem Frachter gerammt worden und hatte bis zu 1900 Tonnen Öl aus einem rund 50 Quadratmeter großen Loch verloren. Der Tanker war am Freitag wohl fahruntüchtig. Taucher hätten das Wrack untersucht und unter Wasser Risse im Tank entdeckt, sagte der Stralsunder Experte Meyer. Die dänischen Behörden bestünden darauf, das Schiff vor Ort leer zu pumpen. Erst dann solle der havarierte Tanker in eine Werft geschleppt werden.

Die Verkehrsminister der Europäischen Union wollen sich in der kommenden Woche in Luxemburg mit der Sicherheit im Schiffsverkehr befassen. "Ich denke, dass die jüngste Havarie auf der Ostsee den internationalen Bemühungen um höhere Sicherheit auf See Nachdruck verleihen wird", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Verbesserungen erwarte die Bundesregierung vom Einsatz eines Schiffs-Identifizierungssystems in den deutschen Küstengewässern ab 2002. Zur Vermeidung künftiger Unfälle forderte der Bundesverband der See- und Hafenlotsen (BSHL) eine Lotsenpflicht für alle Gefahrgutschiffe in der Kadetrinne in der Ostsee. "Sie ist ein wichtiges Mittel, um künftig Unfälle in diesem engen Fahrwasser zu vermeiden," sagte BSHL-Präsident Kurt Steuer in Hamburg. Nach Angaben des Stralsunder Experten sind maximal 1000 Tonnen Öl ausgelaufen. "Der Tank fasst insgesamt 1900 Tonnen Öl, es ist aber noch reichlich Öl im Tank vorhanden", sagte Meyer. Die dänischen Behörden sprachen dagegen von 1900 Tonnen. Ursache für das Unglück war wohl menschliches Versagen. Für Deutschland besteht Angaben des Schweriner Umweltministeriums zufolge wegen des Südwinds keine Gefahr.

Die deutschen Spezialschiffe "Scharhörn" und "Vilm" waren zur Bekämpfung der Ölpest vor der dänischen Küste im Einsatz. Sie stehen unter dänischem Oberkommando, sagte ein Sprecher der Sonderstelle des Bundes zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen in Cuxhaven. Daneben überflogen zwei deutsche Ölüberwachungsflugzeuge vom Typ Dornier 228 abwechselnd das Seegebiet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar