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Nach Schüssen in Konstanzer Diskothek : Ermittler erkennen keine islamistisch motivierte Tat

Ein 34-Jähriger hat in einer Konstanzer Disko einen anderen Mann erschossen. Die Polizei tötete den Täter. Man gehe nicht von einer islamistisch motivierten Tat aus, hieß es am Sonntag.

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Zwei Polizisten vor der Diskothek "Grey" in Konstanz nach einer Schießerei. Foto: Felix Kästle, dpa/AFP
Zwei Polizisten vor der Diskothek "Grey" in Konstanz nach einer Schießerei.Foto: Felix Kästle, dpa/AFP

Bei Schüssen in einer Konstanzer Diskothek ist in der Nacht zu Sonntag ein Mensch ums Leben gekommen. Auch der mutmaßliche Täter starb wenig später, nachdem er sich einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert hatte. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden außerdem mehrere Menschen verletzt, einige davon schwer.

Die Ermittler in Baden-Württemberg haben eigenen Angaben zufolge keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Ein Sprecher der Polizei bestätigte entsprechende Informationen der dpa. Er bestätigte auch, dass es sich bei dem 34 Jahre alten mutmaßlichen Täter um einen Iraker handelte. Der Mann habe seit längerer Zeit in Konstanz gelebt und sei kein Asylbewerber. Er sei aufgrund verschiedener Delikte bei der Polizei bekannt gewesen.

"Haben es nicht mit islamistisch motivierter Tat zu tun"

"Das ist ein schwerer Tag für Konstanz", sagte Martin Jäger, Staatssekretär im baden-württembergischen Innenministerium, auf einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag. Demnach seien Polizeikräfte rasch am Tatort gewesen. Weiterhin waren auch das LKA und SEK-Einheiten im Einsatz. Der Täter habe schnell das Feuer auf die Beamten eröffnet. Dabei wurde ein Polizist schwer verletzt.

Anfangs habe es Unsicherheiten über die Motivlage gegeben. "Wir haben es jedoch nicht mit einer islamistisch motivierten Tat zu tun", so der Staatssekretär. Im Eingangsbereich der Diskothek kam es vielmehr zum Streit zwischen dem Täter und einem Türsteher. Der Täter verließ den Eingangsbereich der Diskothek, die von seinem Schwager betrieben wird, kehrte mit einem Sturmgewehr vom Typ M16 zurück und eröffnete das Feuer. Das M16 sei eine US-Kriegswaffe und das Standardgewehr der US-Streitkräfte, wie Andreas Stenger vom LKA mitteilte. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar.

Bei dem Täter handele es sich um einen 34-jährigen Kurden irakischer Herkunft. Er war demnach vorbestraft und polizeibekannt, fiel aber seit 2011 nicht mehr auf. Wie der Polizeipräsident von Konstanz, Ekkehardt Falk, mitteilte, arbeiten derzeit rund 100 Beamte an den Ermittlungen. Er betonte, dass durch das schnelle Eingreifen der Polizei wohl Schlimmeres verhindert wurde. An der Disco seien nach Eingang der Notrufe rasch elf Einsatzwagen gewesen.

Burchardt: "Wir sind alle schockiert"

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) äußerte sich bestürzt. „Wir sind alle schockiert über das, was sich heute Nacht in unserer Stadt ereignet hat. Meine Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen der Opfer, aber auch bei den Besuchern der Diskothek, die Todesangst und Verzweiflung erleben mussten“, sagte Burchardt. „Wir werden alles tun, um den betroffenen Menschen zu helfen.“ Burchardt dankte der Polizei und allen Helfern für ihren Einsatz. Am Sonntagmittag machten sich der Oberbürgermeister gemeinsam mit Staatssekretär Jäger, in Konstanz ein Bild von der Lage.

Polizisten und Zeugen vor dem Club Grey in Konstanz. Foto: Felix Kästle / dpa
Polizisten und Zeugen vor dem Club Grey in Konstanz.Foto: Felix Kästle / dpa

Gegen 4.30 Uhr gingen mehrere Notrufe ein

Ersten Ermittlungen zufolge schoss der Täter gegen 4.30 Uhr in der Diskothek um sich. Dabei seien eine Person getötet und drei schwer verletzt worden. Der 34-Jährige sei dann wenig später nach dem Verlassen der Diskothek bei einem Schusswechsel mit Polizeibeamten lebensgefährlich verletzt worden. Er erlag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen. Auch einer der Polizisten erlitt demnach eine Schussverletzung, befindet sich jedoch nicht in Lebensgefahr. Dazu wurden sieben weitere Personen leicht verletzt. Dabei handelte es sich um Gäste der Disco, die Sturzverletzungen erlitten oder unter Schock gestanden hätten, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagabend.

Ein Augenzeuge hatte der Deutschen Presse-Agentur erzählt, dass ein Täter mit einer Maschinenpistole wahllos auf die Gäste der Diskothek geschossen habe. „Die Diskothek war rammelvoll. Ich schätze, dass mehrere hundert Menschen da waren“, sagte er. Er selbst habe nur einen Täter gesehen und sei sofort mit Freunden geflüchtet.

Zeitweise waren auch Spezialkräfte und ein Polizeihubschrauber im Einsatz

Sowohl der Zeuge als auch die Polizei berichteten, dass zahlreiche Gäste nach den Schüssen das Gebäude in Panik verlassen und sich verschanzt hätten. Konstanz liegt unweit der Schweizer Grenze; gerade am Wochenende halten sich auch viele Schweizer in der Stadt auf.

Laut Polizei gingen gegen 4.30 Uhr mehrere Notrufe bei den Beamten ein. Daraufhin sei der Einsatz angelaufen. Experten der Spurensicherung waren auch Stunden später noch am Tatort und untersuchten den Club.

In einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft hatte es am Vormittag noch geheißen: „Da zunächst nicht klar war, ob es sich um einen Einzeltäter oder mehrere Täter handelt, wurden vom Polizeipräsidium Konstanz auch Spezialkräfte und ein Polizeihubschrauber für mögliche Fahndungsmaßnahmen angefordert.“ (mit dpa)

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