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Nach Todesschüssen im Live-TV : "Manifest" von mutmaßlichem Täter bei Fernsehsender eingegangen

Während einer Live-Schaltung sind zwei TV-Journalisten in den USA erschossen worden. Der Täter ist ebenfalls tot. Er soll die Tat gefilmt haben. In einem Schreiben spricht er von "Rassenkrieg".

von , und Ilona Viczian
Alison Parker und Kameramann Adam Ward wurden am Mittwoch während einer Live-Übertragung erschossen.
Alison Parker und Kameramann Adam Ward wurden am Mittwoch während einer Live-Übertragung erschossen.Screenshot theguardian.com

In den USA wurden zwei Mitarbeiter des Nachrichtenportals WDBJ7 am Mittwoch vor laufender Kamera erschossen. Vor seiner Festnahme durch die Polizei richtete der Todesschütze seine Waffe auch auf sich selbst und kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Dort verstarb er später, wie der zuständige Sheriff am Abend bekanntgab. Er habe "sich geweigert anzuhalten und hat beschleunigt", berichtete Rick Garletz von der Polizei Virginia. Später sei er von der Straße abgekommen und mit einer Schusswunde, die er sich selbst zugefügt hatte, aufgefunden worden.

Die Reporterin des Senders WDBJ7 befragte in einem Einkaufszentrum in Moneta im US-Staat Virginia eine Frau zum Thema Tourismus, als plötzlich Schüsse fielen, wie WDBJ7 und der Partnersender CBS bestätigten. In einem Video des Vorfalls sind mindestens acht Schüsse und mehrere Schreie zu hören.

Laut dem Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, gehe man derzeit davon aus, dass der Täter ein verärgerter Mitarbeiter des Senders sei, so Joe St. George vom Sender "CBS6". whsv.com berichtet, der Verdächtige sei laut der Polizei ein Mann mit dem bürgerlichen Namen Vester Lee Flanagan, ein ehemaliger Mitarbeiter von WDBJ7, der unter dem Namen Bryce Williams auf Sendung gegangen ist. Der 41-Jährige soll die Tat mit einer Helmkamera gefilmt und die Videos von der Tat auf seinem Twitter-Account veröffentlicht haben.

Täter erschoss vor der Tat seine Katzen in einem Wald

Eines der Videos zeigt die Moderatorin und den Kameramann, wie sie eine Frau interviewen. Dann sieht man, wie sich jemand mit einer Schusswaffe von hinten nähert und auf die Moderatorin feuert. Ein weiteres Video soll direkt nach der Tat aufgenommen worden sein. Der Twitter-Account ist mittlerweile gesperrt. Williams warf Parker hier unter anderem auch Rassismus vor. Sie soll "rassistische Kommentare" gemacht haben. abcnews.go.com berichtet, ein Fax unter dem Namen des mutmaßlichen Täters erhalten zu haben. Das Dokument sei 23 Seiten lang und man habe es der Polizei übergeben, so der Sender weiter. In dem "Manifest" beschreibe der Autor, dass er als Schwarzer und Homosexueller "Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Schikane bei der Arbeit" habe erleiden müssen.

Nach der Schießerei in einer Kirche in Charleston im Juni, in der neun Schwarze getötet wurden, sei dies in Wut umgeschlagen. „Ich war ein Pulverfass, das nur darauf wartete zu explodieren", zitiert ABC aus dem Fax. Nach den Anschlägen von Dylan Roof, der neun Afroamerikaner in einer Kirche erschossen hatte, befinde sich Williams in einem "Rassenkrieg". "Warum habe ich das getan? Ich habe am 19.06.2015 Geld für eine Pistole angezahlt. Die Kirchen-Schießerei fand am 17.06.2015 statt..." In seinen Tweets hatte sich Williams darüber beschwert, dass die von ihm erschossene Moderatorin Alison Parker weiter beschäftigt wurde, während ihm keine neue Stelle mehr angeboten wurde. In dem Schreiben an ABC-News macht er seinen ehemaligen Sender WDBJ7 für seine Taten verantwortlich. Wegen dem Sender habe er auch seine Katzen in einem Wald getötet.

Alison Parker wurde 24, Kameramann Adam Ward 27 Jahre alt. Dem Sender der erschossenen Journalisten zufolge ist die Interview-Partnerin der TV-Moderatorin ebenfalls von den Schüssen getroffen worden. Sie werde im Krankenhaus behandelt. Während der Suche nach dem Täter waren umliegende Schulen abgeriegelt worden, wie der Schulbezirk Bedford County auf Facebook mitteilte. „Dies ist eine von Strafverfolgern empfohlene Vorsichtsmaßnahme“, hieß es. Die Schulen in Virginia beginnen allerdings erst wieder im September.

„Die Sicherheit unserer Schüler und Mitarbeiter liegt heute Morgen über allem anderen.“ Auch Straßen wurden gesperrt, WDBJ7 zeigte ein Foto Dutzender Polizeiautos in der Nähe des Tatorts. „Dies ist ein schrecklicher Tag für unsere Family und die Gemeinde, der wir dienen“, schrieb Meteorologe Brent Watts auf Twitter. „Uns bricht das Herz“, sagte WDBJ7-Manager Jeff Marks.

Verlobte beobachtete Geschehen im Kontrollraum

Parker, die vor etwa vier Jahren als Praktikantin bei dem Sender begann, sei dort ein „Rockstar“ gewesen, sagte ihre Kollegin Kimberly McBroom. Alison Parker war anscheinend mit einem Nachrichtenansager des Senders, Chris Hurst, liiert - dies twitterte Hurst am Mittwoch. "Wir haben das nicht öffentlich gemacht", schreibt der Mann. "Aber wir waren sehr verliebt."

Auch Kameramann Ward war mit einer weiteren Mitarbeiterin des Senders verlobt, die beiden wollten bald heiraten. Seine Verlobte arbeitete CNN zufolge gerade als Producerin im Kontrollraum des Senders, als die tödlichen Schüsse fielen. Ward soll seiner Verlobten kürzlich noch gesagt haben, er wolle sich aus dem Nachrichtengeschäft zurückziehen.

„Wir stehen alle unter Schock“, sagte Nachrichtensprecherin Jean Jadhon. Im Studio höre man die Mitarbeiter weinen. „Wir lieben Euch, Alison und Adam“, twitterte der Sender.

Die Tat könnte geeignet sein, in die festgefahrene Debatte über schärfere Waffengesetze in den USA neue Bewegung zu bringen. Jedenfalls sah sich das Weiße Haus schon kurz nach der Tat veranlasst, Stellung zu nehmen. Präsident Barack Obama habe wiederholt dafür geworben, Waffengewalt durch gesetzliche Maßnahmen einzudämmen, sagte ein Sprecher bei einer Pressekonferenz. Der (von Republikanern dominierte) Kongress habe es nun in der Hand, die Vorschläge umzusetzen.

Am Mittwoch gab der US-Einzelhändler Wal-Mart bekannt, keine Sturmgewehre mehr zu verkaufen. Eine Verbindung zu den erschossenen Journalisten in Moneta bestehe jedoch nicht. Grund sei eine schwache Nachfrage. "Wir konzentrieren uns stattdessen auf Jagd- und Sportgewehre." Wal-Mart ist der größte Verkäufer von Schusswaffen und Munition in den USA. (mit AFP, dpa)

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