Nach Tunnelpanne : Eurostar streicht alle Züge wegen Kältewelle

Rund 2000 Fahrgäste hatten in der Nacht in Tunnelzügen unter dem Ärmelkanal fest gesessen -wegen der Kälte. Nun zieht der Betreiber die Konsequenzen. Mit Schnee kämpfen die Menschen auch an der Ostküste der USA. In Washington ging am Morgen gar nichts mehr.

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Vor Schneechaos ist auch ein US-Präsident nicht gefeit. Die Maschine von US-Präsident Obama landete am Morgen in Maryland bei...Foto: AFP

HamburgEisige Temperaturen und starker Schneefall haben weite Teile Europas und Nordamerikas weiter fest im Griff. Während sich die Ostküste der Vereinigten Staaten auf einen gewaltigen Schneesturm am Samstag vorbereitete, blieben in der Nacht im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal vier Züge mit mehr als 2000 Fahrgästen wegen wetterbedingter Pannen liegen.

Wie Eurostar-Sprecher Grant Smith der BBC sagte, hatte der große Temperaturunterschied der Luft innerhalb und außerhalb des Kanaltunnels zu der technischen Panne geführt. Am frühen Morgen wurden die Fahrgäste zweier liegengebliebener Züge mit einem Shuttle aus dem Tunnel gebracht. Eine Ersatzlokomotive sollte die beiden anderen Züge in Richtung Folkestone im Südosten Englands schieben.

In den Eurostar-Hochgeschwindigkeitszügen saßen jeweils zwischen 500 und 700 Menschen fest. Alle vier Züge waren auf dem Weg  von Paris nach London, als sie in dem Tunnel steckenblieben. Zwei weitere Züge, die sich aus Brüssel und Paris auf dem Weg in Richtung London befanden, wurden noch rechtzeitig umgeleitet. Für die Fahrgäste habe keine Gefahr bestanden, sagte Eurostar- Sprecher Grant Smith. Aber es sei „sehr unbequem“ gewesen.

Eurostar hat inzwischen sämtliche Zugverbindungen durch den Ärmelkanal-Tunnel für Samstag gestrichen. Wartende am Londoner Bahnhof St. Pancras wurden mit Lautsprecherdurchsagen von den Zugausfällen informiert. Wann die Verbindungen zwischen London und Paris oder Brüssel wieder aufgenommen werden, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.

Zehntausende in den USA ohne Strom

Starke Schneefälle haben in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) den Nordosten der USA lahmgelegt. In mehreren Bundesstaaten, darunter auch der Distrikt der Hauptstadt Washington, lief am Samstagmorgen gar nichts mehr. Der Nationale Wetterdienst warnte vor  dem schwersten Schneesturm seit Jahren. Bereits am Morgen lag das Land teilweise unter einer Schneedecke von etwa einem Meter.

In Virginia waren zehntausende Menschen ohne Strom.  Auf den Flughäfen mussten Reisende mit langen Verspätungen rechnen. Mehrere Gesellschaften sagten ihre Flüge nach und von Washington ab. Kleinere Airports schlossen ganz. In den Supermärkten der betroffenen Regionen gab es leere Regale: Die meisten Menschen hatten in Erwartung des angekündigten Sturms Hamsterkäufe gemacht, um sich mit Wasser und Lebensmitteln einzudecken.

In Europa fordert die Kälte zwei Dutzend Tote

Auch in Deutschland sanken die Temperaturen wieder weit unter den Gefrierpunkt. Im sächsischen Dippoldiswalde-Reinberg fiel das Thermometer bereits am Abend auf minus 21,3 Grad Celsius. Vielerorts kam es zu nächtlichen Glätteunfällen, meist blieb es aber bei Blechschäden. Auf eisglatten Straßen kam es am Abend und in der Nacht zum Samstag zu hunderten Verkehrsunfällen. Bei zwei Frontalzusammenstößen im Raum Köln wurden fünf Menschen schwer und zwei weitere leicht verletzt. Zumeist verliefen die Unfälle  jedoch glimpflich.

Seit Beginn der Kältewelle sind in Europa bereits zwei Dutzend Menschen erfroren, die meisten in Russland. In einer verlassenen Pfadfinder-Schutzhütte in Rheinland-Pfalz  wurde die Leiche eines 62 Jahre alten Mannes gefunden. Es war der erste Kältetote im Land. Der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland kritisierte vor dem Hintergrund dieses Falls vom Mittwoch, dass Hilfsangebote für Obdachlose oft nicht genug auf deren Bedürfnisse ausgerichtet seien. In Polen kamen seit Donnerstag mindestens fünf Menschen  ums Leben. (sf/dpa)

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