• Nach Walen jagt Japan die Delfine Tausende Meeressäuger sollen getötet werden

Welt : Nach Walen jagt Japan die Delfine Tausende Meeressäuger sollen getötet werden

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Wellington/Tokio - Elf Tage nach dem Brand auf dem Walfangschiff „Nisshin Maru“ wollen die Japaner die Fangsaison offensichtlich beenden. Der neuseeländische Umweltminister Chris Carter erklärte, Tokio habe angedeutet, die Jagd einstellen zu wollen. Es sei eine „katastrophale Walfangsaison“ für Japan gewesen, sagte die neuseeländische Regierungschefin Helen Clark. Der Vorfall habe Japans Ruf international beschädigt.

Jetzt sind aber erst einmal die Delfine dran. Vor der Küste der kleinen japanischen Walfangstadt Taiji planen die Japaner eine Großaktion gegen diese Meeressäuger. Die Tiere dort ahnen nicht, dass in zwei der malerischen Buchten eines Nationalparks von Taiji der Tod lauert. Hier, rund 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Tokio auf der Halbinsel Kii, sowie an wenigen anderen Orten des Landes fallen nach amtlichen Angaben alljährlich zwischen Oktober und April rund 17 000 Delfine sowie andere Kleinwale einer Treibjagd zum Opfer, Umweltschützer sprechen von über 20 000 getöteten Tieren. Die Meeressäuger werden auf offener See eingekreist, in Lagunen getrieben und mit Lanzen abgestochen – mit Billigung der Regierung in Tokio und weitgehend unbemerkt vom Großteil der Einwohner des Landes. Doch nicht alle Tiere sterben, einige werden ausgewählt, um als Show- Delfine in Aquarien und Vergnügungsparks in aller Welt zu dienen.

Es ist ein erschütternder Anblick: Schätzungsweise 150 der Meeressäuger halten die Fischer von Taiji an diesem Morgen in einer der Buchten mit Netzen gefangen. Durch Hämmern auf ins Meer gehaltene Metallstangen hatten die Jäger zuvor bei Sonnenaufgang den Orientierungssinn der Tiere lahmgelegt und sie so in die Lagune getrieben. In hektischen Stößen spritzt Wasser aus den Atemlöchern der Meeressäuger, viele versuchen vergeblich, durch die Netze zu entkommen. Vor den Augen von Passanten, die von der Ortsstraße in die Lagune schauen, ertrinken einige Delfine, doch niemand regt sich auf.

Derweil beteiligt sich eine Gruppe von Delfintrainern aktiv an dem Treiben. In Neoprenanzügen waten und tauchen sie stundenlang zwischen den Delfinen und suchen sich die schönsten im Auftrag von Unterhaltungsparks und Aquarien aus. „Sie sind jeweils zwischen 50 000 und 100 000 Dollar wert“, sagt Richard O’Barry, der in den 60er Jahren Trainer der Delfine für die TV-Serie „Flipper“ war, seit 1970 aber für den Schutz der Meeressäuger kämpft. Die milliardenschwere Delfinindustrie „unterstützt die Treibjagd, indem sie die Fischer für ihr schlimmes Verhalten entlohnt“, sagt O’Barry. Alle übrigen Delfine, die noch 600 Dollar einbrächten, werden getötet. Hierzu werden viele an ihren Schwanzflossen festgebunden. Fischer zerren die wild zappelnden Tiere dann zu dritt oder zu viert an der Seite der Motorboote hängend in eine benachbarte Lagune, wobei sie bei Wendemanövern über die gefangenen Delfine fahren. Andere werden in die Bucht getrieben, wo sie mit Lanzen getötet werden. dpa

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