Nach Zugunglück mit 23 Toten : Bahnhofsvorsteher in Italien gibt Fehler zu

23 Menschen waren bei einem Zugunglück in Italien ums Leben gekommen. Offenbar hatte es zuvor Verwirrung am Bahnhof in Andria gegeben.

Der Zugunfall am Bahnhof in Andria.
Der Zugunfall am Bahnhof in Andria.Foto: dpa

Nach dem schweren Zugunglück an Italiens Adriaküste verdichten sich die Hinweise, dass eine Verknüpfung von technischen Mängeln und menschlichem Versagen zu dem Unglück führte. Einer der Bahnhofsvorsteher räumte einen verhängnisvollen Fehler bei der Streckenfreigabe ein, wie Medien am Donnerstag berichteten. Bei dem Zusammenstoß zweier Passagierzüge am Dienstag waren 23 Menschen ums Leben gekommen. "Ich war es, der den Zug losgeschickt hat, ich habe die grüne Scheibe gehoben, es gab Verwirrung, die Züge waren verspätet", zitierte die Zeitung "La Stampa" den Bahnhofsvorsteher von Andria, Vito Piccarreta. "Aber es war nicht allein mein Fehler, alle nageln mich ans Kreuz, aber auch ich bin ein Opfer", fügte er hinzu.

Die Tragödie hatte sich am Dienstag bei Bari auf einem eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Corato und dem etwa zehn Kilometer entfernten Andria ereignet. Die Bahnhofsvorsteher der beiden Orte müssen sich stets telefonisch darüber verständigen, welcher Zug Vorfahrt hat. Bereits am Mittwoch hatte der Bürgermeister von Corato, Massimo Mazzilli, geäußert, dass die Verantwortung für einen solchen Unfall "sicher einer Person zuzuschreiben" sei, weil es "anders gar nicht hätte passieren können". Wie "La Stampa" weiter berichtete, warteten offenbar drei Züge - einer mehr als üblich - auf die Fahrerlaubnis, was möglicherweise zur Verwirrung am Bahnhof in Andria beigetragen habe.

Aber auch der Bahnhofsvorsteher von Corato ist im Visier der Justiz, weil er sich nach Vorschrift ebenfalls vergewissern muss, ob die Strecke frei ist, bevor ein Zug seinen Bahnhof verlässt. Genauere Informationen zur Unglücksursache dürfte die Auswertung der Unfalldatenschreiber der beiden Züge bringen, die mittlerweile geborgen wurden. Mindestens einer der beiden Züge soll mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, das womöglich ein mangelhaftes Sicherheitssystem das Unglück mit verursacht haben könnte.

Verkehrsminister Graziano Delrio bezeichnete das Signalsystem auf der eingleisigen Strecke bei Bari als eines der "riskantesten". Die Ermittler gehen zudem der Frage nach, weshalb es trotz verfügbarer EU-Mittel zu erheblichen Verzögerungen bei der Modernisierung der eingleisigen Strecke kam. (AFP)

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