Welt : Nachbarn-Streit: Solange noch die Birne glüht

Der Streit unter Nachbarn um einen Maschendrahtzaun in Ostdeutschland erheiterte einst die ganze Republik. Um einiges bizarrer erweist sich derzeit ein Streit zwischen Nachbarn in Wiesbaden, bei dem die Kontrahenten ein Richter und ein Oberkommissar des Bundeskriminalamtes sind. Es geht um eine 60-Watt-Glühbirne.

Der Vorfall hat zunächst Erstaunen in Wiesbaden und in der lokalen Presse hervorgerufen. In Leserbriefen an den "Wiesbadener Kurier" äußerten Büger sich befremdet darüber, dass sich ein Richter auf dieses Niveau herablässt. In einem Eigenheim-Viertel im Wiesbadener Stadtteil Nordenstadt war ein Oberkommissar des Bundeskriminalamtes zugezogen. Er stutzte Hecken, fällte Bäume im Garten, fegte nicht pünktlich die Straßen und machte sich damit schnell unbeliebt. Vor allem: Nachts schaltete er seine Laterne über der Haustür an, in der eine 60-Watt-Birne steckte. Sie sollte vor Einbrechern schützen.

Ihm gegenüber wohnt ein Zivilrichter. Dessen Schlafzimmer liegt elf Meter schräg gegenüber. "Mitten ins Bett" strahle die Laterne, "direkt in die Augen", zitiert ihn der "Spiegel" in seiner heutigen Ausgabe.

Weil der Oberkommissar auf Aufforderung nicht sofort darauf verzichtet, nachts die Lampe einzuschalten, sondern lediglich die 60-Watt-Birne durch eine 40-Watt-Birne ersetzt, schrieb ihm der Richter einen Brief, aus dem der "Spiegel" zitiert: "Sie werden es ab heute strikt unterlassen, mein Eigentum durch Gase, Dämpfe, Gerüche, Rauch, Ruß, Wärme, Geräusche, Erschütterungen, Bestrahlungen, Beleuchtung und Ähnlichem zu beeinträchtigen, soweit Ihnen hierzu die gesetzliche Grundlage fehlt."

Der Richter klagte: Bis zu 500 000 Mark soll der Nachbar zahlen oder bis zu einem halben Jahr ins Gefängnis gehen. Als die Amtsrichterin vorschlägt, der Oberkommissar möge eine Birne einschrauben, die gezielt nach unten leuchtet, lehnen beide Seiten ab. Sie akzeptieren keinen Kompromiss, wollen jeweils Recht haben. Dem Amtsgericht ist das Gebaren des Richters unangenehm, es fürchtet wegen der öffentlichen Diskussion um seinen Ruf. Der Richter aber lässt sich aber von Interventionen seines Chefs nicht beirren. Er schlafe im Keller, ließ er verkünden, außerdem stehe sein Haus zum Verkauf.

Die Leserbriefschreiberin Alexandra Schmitt fragte im "Wiesbadener Kurier": "Kann sich der Richter nicht bei seinem Gehalt Gardinen oder Rolläden leisten? Ich hoffe inständig, dass der Richter niemals mein gesetzlicher Richter wird."

Der Fall ist nicht zu Ende. Der nächste Prozesstermin in dieser Sache ist für Freitag anberaumt.

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