Nachhaltiges Wirtschaften : Rosige Aussichten für fairen Handel

Die deutschen Verbraucher legen mehr Wert auf fair gehandelte Produkte, der Umsatz stieg 2015 auf 987 Millionen Euro. Das hilft vielen.

Lara Keilbart
Rosen aus Kenia. Ein Teil der in Europa verkauften Schnittblumen wird in Afrika produziert. Fairer Handel steigert dabei die Lebensqualität der Beschäftigten.
Rosen aus Kenia. Ein Teil der in Europa verkauften Schnittblumen wird in Afrika produziert. Fairer Handel steigert dabei die...Foto: AFP

Evagerine Wamuyu ist aufgeregt. „Mein Sohn hat gerade Examen geschrieben, und wir warten auf die Ergebnisse“, sagt die sonst eher schwer aus der Ruhe zu bringende 52 Jahre alte Blumenpflückerin aus Kenia. Sie ist überglücklich über die Karriere ihres Sohnes. Dass er überhaupt zu einer weiterführenden Schule gehen würde, erschien ihr lange Zeit unmöglich. Doch fair gehandelte Produkte hätten ihr Leben positiv verändert, berichtet die Broschüre der gemeinnützigen Entwicklungshilfeorganisation TransFair.

Für die Arbeit auf der Simbi-Rosenfarm hat Evagerine Wamuyu vor sechs Jahren ihren Heimatort verlassen und war in die Nähe der 120 Kilometer entfernten Farm nördlich von Nairobi gezogen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Farm produzieren auf 23 Hektar rund 40 Millionen fair gehandelte Rosen im Jahr. Durch die Fairtrade-Zertifizierung ihrer Produkte erhalten die Beschäftigten vor allem einen höheren und stabileren Lohn. Doch auch Maßnahmen wie die kostenlose Gesundheitsfürsorge und das kostenlose Mittagessen steigern die Lebensqualität der Beschäftigten.

Schnittblumen wie die Rosen von Evagerine Wamuyu sind hierzulande sehr gefragt, rund 80 Prozent aller Schnittblumen in Deutschland sind importiert, ein Viertel davon ist laut TransFair auch fair gehandelt. Für Länder wie Kenia sind die Blumen inzwischen als wichtiger Devisenbringer unverzichtbar. Auf der Jahrespressekonferenz von TransFair konnte Vorstandsvorsitzender Dieter Overath weitere positive Bilanzen verkünden, die weltweit den Produzenten und ihren Beschäftigen helfen. „Im zwölften Jahr in Folge haben wir ein zweistelliges Umsatzwachstum von Fairtrade-Produkten“, sagte Overath. Insgesamt ist der Umsatz mit fair gehandelten Produkten in Deutschland auf 978 Millionen Euro gestiegen.

Die Verkäufe von fair gehandelten Bananen erreichten mit 68 000 Tonnen einen Absatzrekord

Neben den Blumenverkäufen wuchs auch der Handel mit Kaffee, Kakao und Bananen. Diese bilden im Fairtrade-Bereich die drei umsatzstärksten Produkte. Mit insgesamt 68 000 Tonnen, einem Plus von 32 Prozent, erreichten die Bananenverkäufe 2015 einen Absatzrekord. Hinzu kommt: Alle auf dem deutschen Markt erhältlichen Fairtrade-Bananen sind auch Bio-zertifiziert. Allerdings machen Fairtrade-Bananen bisher nur zehn Prozent des Gesamtmarktes in Deutschland aus. Bei fair gehandeltem Kakao liegt der Anteil bei 3,6 Prozent, bei Kaffee, laut Overath „die DNA des fairen Handels“, bei nur drei Prozent. Pro Kopf gaben Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 2015 durchschnittlich zwölf Euro für Fairtrade-Produkte aus. Trotz des Wachstums und der steigenden Beliebtheit von Fairtrade ist noch Luft nach oben.

Dabei ist es für Kunden einfacher denn je, Fairtrade-Produkte zu kaufen. Musste man früher in spezielle Dritte-Welt-Läden gehen, kann man heute bequem bei fast jedem Supermarkt fair gehandelte Lebensmittel kaufen. Sowohl die Discounter Aldi und Lidl, der mit dem Fairglobe-Siegel eine der ersten Handelsketten mit Fairtrade-Produkten war, als auch die Supermarktketten Rewe, Edeka und Kaiser’s Tengelmann bieten ein großes Sortiment dieser Produkte an.

In der Textilbranche steht der nachhaltige Handel offenbar erst noch am Anfang. Bisher weigern sich die großen Modemarken, bindende Verträge mit TransFair einzugehen, berichtet die Entwicklungshilfeorganisation. „Dabei handelt es sich nicht um Knebelstandards. Innerhalb von sechs Jahren die Löhne in den Fabriken auf ein existenzsicherndes Niveau zu bringen, ist nicht zu viel verlangt“, sagte Heinz Fuchs, Aufsichtsratsvorsitzender von TransFair, bei der Pressekonferenz.

Rakesh Supkar, Geschäftsführer des asiatischen Produzentennetzwerks NAPP sieht das wachsende Interesse deutscher Verbraucher an Fairtrade-Produkten als Chance für asiatische Produzenten: „Damit der faire Handel seine Wirkung entfalten kann, sind hohe Absätze unter Fairtrade-Bedingungen unabdingbar“, sagte er. Eine Verbesserung könne auch der Handel mit fairen Produkten in den Anbauländern sein. Die wachsende Mittelschicht beispielsweise in Indien entwickle ebenfalls ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum.

1 Kommentar

Neuester Kommentar