Nachsorge : Die Lehren aus der Epidemie

Ehec hat Deutschland in Atem gehalten. Jetzt spricht kaum noch jemand darüber. Ist die Epidemie jetzt vorüber? Die Warnung vor dem Verzehr von Sprossen bleibt jedenfalls noch auf unbestimmte Zeit bestehen.

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24. Mai 2011: Die ersten Todesopfer infolge einer Ehec-Infektion werden gemeldet. In den darauffolgenden Tagen steigt die Zahl der Infizierten und der Todesopfer rasch an, Schwerpunkt ist der Norden Deutschlands.Alle Bilder anzeigen
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08.07.2011 09:2824. Mai 2011: Die ersten Todesopfer infolge einer Ehec-Infektion werden gemeldet. In den darauffolgenden Tagen steigt die Zahl der...

Über Wochen hinweg, seit Ende Mai dieses Jahres, hielten Ehec-Infektionen die Deutschen in Atem, bestimmten immer neue Todesfälle und steigende Erkrankungszahlen die Schlagzeilen. Aus den alarmierenden Fakten entwickelte sich der Begriff Ehec-Epidemie und aus der lange Zeit verbreiteten Ratlosigkeit der Behörden die Bezeichnung Ehec-Krise. Fast so schnell, wie die bedrohliche Krankheit aufgetaucht war, verschwand sie wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein, als die Herkunft des Erregers bekannt und der Keim nachgewiesen worden war – auf Sprossen und nicht auf dem „Allerwelts“-Gemüse Tomaten, Gurken und Blattsalat.

Wie ist der aktuelle Stand der Ehec-Erkrankungen?

Das Schlimmste ist überstanden – so lautet die Botschaft in Sachen Ehec-Krise. Am Mittwoch teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit, verschiedene epidemiologische Kennzahlen deuteten darauf hin, „dass sich der Ausbruch dem Ende zuneigt“. Weitere Erkrankungen würden zunehmend unwahrscheinlicher, könnten aber nicht ausgeschlossen werden.

In Deutschland haben sich nach Angaben des RKI bislang 4181 Personen mit dem Ehec-Erreger infiziert. An den Folgen starben mit Stand vom Donnerstag 51 Menschen. Die letzte bekannte Neuansteckung bei einem Patienten fand am 27. Juni statt. Der Höhepunkt der Epidemie war am 22. Mai erreicht. Epidemiologische Untersuchungen hätten mittlerweile den „Verzehr von Sprossen eindeutig als Quelle identifiziert“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Wie lange die Warnung vor Sprossen aber noch aufrechterhalten wird, steht derzeit noch nicht fest. Dies hänge davon ab, wie lange noch verseuchtes Samengut im Umlauf sei, so eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Die Situation in Schleswig-Holstein, einem der am meisten betroffenen Länder, hat sich nach Aussagen der Behörden komplett entspannt. Von bundesweit 2945 Erkrankungsfällen waren im nördlichsten Bundesland zuletzt 918 Patienten gezählt worden, davon 200 Fälle des mit einem ernsthaften Krankheitsbild behafteten hämolytisch-urämischen Syndroms (Hus). Es gebe nur noch wenige Neuerkrankungen. „Das ist auch damit zu erklären, dass bei den von Gesundheitsämtern angeordneten Umgebungsuntersuchungen immer noch mal ein infiziertes Familienmitglied eines Ehec-Erkrankten auftaucht“, sagt Christian Kohl, Sprecher im Gesundheitsministerium in Kiel.

In der Hauptstadt sind seit Beginn der Ehec- und Hus-Ausbruchswelle Mitte Mai insgesamt 48 Berliner Patienten mit dem aktuell besonders oft aufgetretenen Ehec-Typus und 17 mit dem schweren Hus-Krankheitsverlauf in Kliniken behandelt worden, heißt es bei der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung. Todesfälle gab es keinen. Die aktuellste Ehec-Infektion eines Berliners wurde dem RKI am 13. Juni, die jüngste Hus-Infektion am 22. Juni gemeldet.

Wie ist die Situation der Ehec-Patienten nach überstandener Infektion? Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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