Welt : Nasa gerät nach erneutem Rückschlag unter Druck

"Mission gescheitert" hieß es am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren bei den Mars-Forschern der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa. 24 Stunden nach dem letzten Kontakt mit dem Climate Orbiter fehlte den Experten im Kontrollzentrum Pasadena jede Spur von der Sonde, die Donnerstag früh in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenken sollte.

Stattdessen ist das 125 Millionen Dollar teure Raumschiff wahrscheinlich zerborsten oder auf den Mars gestürzt. Als Ursache gilt ein Navigationsfehler, ausgelöst durch einen Computerfehler oder menschliches Versagen in der Bodenkontrolle. Die Erforschung der Klimaverhältnisse auf dem Mars könnte durch den Fehlschlag um ein Jahrzehnt zurückgeworfen werden, befürchten Nasa-Experten.

"Wir sind, offen gesagt, überrascht", lautete die erste öffentliche Reaktion von Flugmanager Richard Cook. Es ist der zweite schwere Rückschlag für das Mars-Forschungsprogramm der Nasa nach dem Verlust des eine Milliarde Dollar teuren Mars Observer 1993.

Die jetzt verschwundene Sonde hatte ähnliche Ausrüstung zur Wetterbeobachtung auf dem Mars an Bord wie der Observer. Sie sollte wie ein Wettersatellit um den Planeten kreisen und tägliche Aufzeichnungen über Temperaturen, Dunst und Wolken zur Erde funken. Außerdem sollte sie der Kommunikation mit ihrer Schwestersonde Polar Lander dienen, die am 3. Dezember auf dem Mars landen soll. Diese könne aber auch völlig unabhängig arbeiten, hieß es bei der Nasa. Der Mars-Misserfolg erschwert der Nasa den Kampf um ausreichende Finanzierung durch einen eher widerwilligen Kongress. Denn der spektakuläre Erfolg mit dem Mars-Mobil "Sojourner", dessen Erkundungsfahrten auf dem Planeten vor zwei Jahren in aller Welt gespannt verfolgt wurden, ist verblasst. Um der Kritik an ihren von manchen als abwegig bezeichneten Programmen zu begegnen, hat sie den Politikern "schnellere, billigere und bessere" Projekte versprochen. Climate Orbiter gehörte zur neuen Generation billigerer Raumschiffe. "Das attraktive daran ist, dass die Nasa sich den Verlust solcher Sonden eher leisten kann", sagte der Raumfahrtexperte John Pike im US-Fernsehen. "Die Frage ist, ob sie mehr von ihnen verliert."

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