Welt : Nationalteam spurlos verschwunden

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Wittislingen Die erste Meldung brachte am Montag die Nachrichtenagentur AP: Die ganze Handball-Nationalmannschaft von Sri Lanka, hieß es, sei bei einem Besuch in dem schwäbischen Dorf Wittislingen spurlos verschwunden.

Was war geschehen? Wittislingen, das ist ein Ort mit etwas mehr als 1000 Einwohnern, hatte die große Ehre, ein eigenes Handball-Turnier auszurichten – speziell für Mannschaften der Region. Um das Ereignis aufzuwerten, wurde als Prominenten-Mannschaft die Handball-Nationalmannschaft aus Sri Lanka eingeladen und im örtlichen Musikheim untergebracht.

Wittislingen war stolz: die Nationalmannschaft von Sri Lanka kommt nach Wittislingen! Allein, die örtlichen Mannschaften wunderten sich, warum die Asiaten so schlecht spielten. Aus Höflichkeit wurde die Plazierung der Gäste bei dem Turnier nicht genannt, inoffiziell ist vom letzten Platz die Rede.

Spielt man in Sri Lanka überhaupt Handball? Wie der Polizeidirektor von Dillingen – der nächstgrößeren Stadt –, Thomas Scheuerer, auf Anfrage sagte, konnte bis heute nicht festgestellt werden, ob Sri Lanka eigentlich eine Handball-Nationalmannschaft hat. Andererseits dürfte es nicht allzu schwer sein, in dem in Sri Lanka fast unbekannten Sport in die Nationalmannschaft zu kommen, wenn es denn eine gibt. „Wenn Sie Eisstockschießen in Burundi betreiben, kommen Sie bestimmt auch sofort in den Nationalkader“, meinte der Polizeisprecher.

Die Jungs, die morgens immer brav ihren Waldlauf machten, sind jetzt jedenfalls weg. Einen Abschiedsbrief haben sie hinterlassen, in dem sie sich höflich für die herzliche Aufnahme in Wittislingen bedankten. Und sie kündigten an, nach Frankreich weiterzureisen.

Haben sich die 25 Spieler und Betreuer rechtswidrig eine Einreise in die Bundesrepublik verschafft? „Sie hatten ein gültiges Visum“, sagt Scheuerer, „sie waren ja eingeladen“. Dennoch ermittelt jetzt auch die Ausländerbehörde.

Der TSV Wittislingen hält sich an den zurückgelassenen Trikots der asiatischen Sportler schadlos. Handball-Chef Eiba gegenüber der örtlichen „Donauzeitung“: „Die Trikots waschen wir und behalten sie als Souvenir.“ os

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