Naturkatastrophe : Peking schickt Bebenopfern Decken und Mäntel

Ein schweres Erdbeben in Nordwestchina hat viele Häuser zum Einsturz gebracht und etwa 400 Menschen getötet. Inzwischen sind die Hilfsmaßnahmen angelaufen.

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Bei dem Erdbeben in der Region Tibet sind mindestens 400 Menschen getötet worden. -Foto: AFP

Die Erdstöße überraschten die Menschen in den frühen Morgenstunden in der tibetischen Präfektur Yushu in der Provinz Qinghai. 8000 Menschen seien verletzt worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Zahlen könnten noch steigen, noch ist die Lage unübersichtlich. Viele Opfer würden unter Trümmern vermutet, sagte ein Sprecher der Katastrophenzentrale in Yushu. "Die meisten Häuser sind eingestürzt. Wir suchen nach Verschütteten."

Rettungsteams und medizinisches Personal wurden aus benachbarten Provinzen entsandt. Das Verwaltungsministerium in Peking kündigte an, 5000 Zelte sowie jeweils 50.000 Decken und Mäntel in die mehr als 4000 Meter hoch gelegene Erdbebenregion auf dem tibetischen Hochplateau zu schicken.

Die Europäische Union hat China bereits Hilfe angeboten. "Wir möchten unsere Solidarität mit der Regierung und den Bürgern Chinas bekunden", heißt es in einer Erklärung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er sei "zutiefst schockiert und betrübt" über das Ausmaß der Katastrophe. EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek bekräftigte ebenfalls: "Wir bieten den chinesischen Stellen unsere Hilfe an und danken allen Hilfsmannschaften für deren Bemühungen."

Bundespräsident Horst Köhler übermittelte dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao seine Anteilnahme. "Mit großer Erschütterung habe ich die Meldungen über die hohe Zahl an Toten und Schwerverletzten erhalten, die das furchtbare Erdbeben in der Provinz Qinghai gefordert hat", schrieb Köhler nach Angaben des Bundespräsidialamtes.

Auch der Dalai Lama hat den Opfern sein Beileid bezeugt. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter erklärte, "wir beten für diejenigen, die ihr Leben bei dieser Tragödie verloren haben sowie für ihre Familien und andere, die betroffen wurden". Im Haupttempel seines nordindischen Exilorts Dharamshala werde es einen besondere Gebetsveranstaltung geben, fügte der buddhistische Geistliche hinzu. Er selbst prüfe, auf welche Weise er helfen könne. China kündigte unterdessen an, dass es für die Hilfs- und Rettungsmaßnahmen umgerechnet mehr als 21 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) hatte der Erdstoß eine Stärke von 6,9. Dem ersten Erdstoß seien drei Nachbeben der Stärken zwischen 5,2 und 5,8 gefolgt. Die chinesischen Behörden gaben die Stärke des ersten Erdstoßes mit 7,1 an.

Im besonders betroffenen Bezirk Yushu in der Grenzregion zu Tibet sind bereits Soldaten unterwegs, um nach Verschütteten zu suchen. In den Städten Yushu und Jiegu sind laut Radioberichten zwischen 80 bis 90 Prozent der Häuser zerstört. "Mein Haus zitterte gewaltig, dann stürzte es ein", schilderte der Vizenachrichtenchef des Fernsehens von Yushu, Karsum Nyima, der unverletzt davongekommen war. "Die Häuser hier sind meist aus Holz und Lehm gebaut", sagte der Funktionär im Staatsfernsehen. Fast alle Häuser seien eingestürzt.

Er beschrieb die Lage als chaotisch. "Die Menschen sind alle auf den Straßen, stehen vor den Trümmern ihrer Häuser." Viele suchten verzweifelt nach Verwandten.

Die Hilfe von außerhalb war acht Stunden nach dem Beben offenbar noch nicht eingetroffen, wie der Funktionär Zha Xi von der Katastrophenzentrale der Präfektur Yushu am Morgen Mitteleuropäischer Zeit sagte. "Gegenwärtig sind wir bei den Rettungsarbeiten auf uns alleingestellt". "Unsere Hauptaufgabe ist, verschüttete Menschen aus den Trümmern zu graben."

Es gebe vor Ort auch nur einige hundert Soldaten. "Ihre Zahl ist begrenzt. Sie sind alle schon an vorderster Front der Bergungsarbeiten." Ein Staudamm habe bedrohliche Risse gehabt, doch sei die Situation entschärft worden. "Das Wasser wurde komplett abgelassen, so dass jetzt keine Gefahr mehr herrscht."

"Es wird geschätzt, dass es hohe Opferzahlen gibt, weil das Erdbeben am frühen Morgen passierte und viele der Bewohner noch nicht aufgestanden waren", sagte der Experte des nationalen Erdbebenamtes in Peking, Sun Shihong, der Nachrichtenagentur Xinhua.

Der lokale Kommandeur der Volksbefreiungsarmee, Wu Yong, sagte, die Zahl der Toten werde wohl weiter steigen, weil viele Häuser eingestürzt seien. Das Militär baue Zelte auf und bereite sich darauf vor, Verletzte zu behandeln. Die Straßen zum Flughafen seien auch beschädigt, was die anstehenden Rettungsarbeiten behindern werde.

Ein Offizier sagte, Schüler von Grundschulen seien unter den Verschütteten. Die Zahl sei nicht bekannt. "Wir müssen die Trümmer vor allem mit unseren bloßen Händen wegräumen, da wir keine Bagger haben", schilderte er. "Wir haben auch keine medizinische Ausrüstung."

Die Region auf dem tibetischen Hochplateau ist zwar dünn besiedelt, doch lag das Epizentrum nahe der Städte Yushu und Jiegu. Vor dem Beben hatten in den Morgenstunden bereits kleinere Erdstöße der Stärke 4,7 die Region erschüttert. Sie könnten die Bewohner vorher alarmiert haben. Kommunikationsverbindungen ins Erdbebengebiet waren gestört, sagte ein Vertreter der Provinzregierung in der 800 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Xining. Mindestens drei größere Nachbeben wurden registriert.

Das Hochland von Tibet wird immer wieder von Erdbeben erschüttert. Meist ist die Zahl der Opfer gering, da die Bergregion nur dünn besiedelt ist. Im Mai 2008 allerdings kamen bei einem Beben der Stärke 8 in den Gebirgsausläufern von Sichuan 80.000 Menschen ums Leben.

Die schwerste derartige Naturkatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg ereignete sich am 27. Juli 1976, als in Tangshan im Nordosten des Landes mindestens 255.000 Tote zu beklagen waren. Andere Schätzungen gehen von bis zu 700.000 Todesopfern aus.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters

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