Naturkatastrophen : Truppeneinsatz gegen Plünderer nach Beben in Peru

Perus Präsident García hat zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben den Einsatz von Truppen gegen Plünderer und Räuber angeordnet. Die Zahl der Toten liegt inzwischen bei 496.

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Peruanische Polizeikräfte werden in die Erdbebengebiete eingeflogen. -Foto: AFP

LimaEr sei dabei, die vom Unglück betroffenen Städte mit "Polizisten vollzustopfen", sagte der Staatschef Alan García in der fast völlig zerstörten Hafenstadt Pisco. Außerdem erwäge er eine Art nächtliche Ausgangssperre. Die Staatsanwaltschaft bezifferte unterdessen die Zahl der Todesopfer des Erdbebens vom Mittwoch auf bislang 496. García räumte aber ein, die Zahl der Toten könne in den nächsten Tagen steigen.

Menschengruppen hatten am Freitag Lastwagen und Busse überfallen, die mit Lebensmitteln für die Erdbebenopfer unterwegs waren. Die Fahrer verteidigten sich zum Teil mit Schusswaffen. Verletzte gab es dabei laut Medien aber nicht. In den am schwersten betroffenen Städten Pisco, Ica, Chincha und Cañete wurden Apotheken, Lebensmittelmärkte und auch ein Elektrowarengeschäft geplündert. Die Plünderer, unter ihnen auch Frauen und Kinder, rechtfertigen ihre Aktionen mit der "ungenügenden Hilfe" der Behörden. Opfer von Räubern wurde auch ein Bürgermeister, der Decken für die Erdbebenopfer transportierte.

Nachbeben löste erneut Panik aus

"Wir stopfen zur Zeit die Städte Cañete, Chincha, Pisco und Ica mit Polizisten voll. Das soll von den Menschen nicht als Drohung empfunden werden", meinte García. 600 Beamte sollten als Verstärkung aus Lima am Wochenende im Katastrophengebiet eintreffen. Die erste Etappe der Hilfsmaßnahmen wolle man, so der Präsident, am Wochenende mit der Bergung und Bestattung der Leichen sowie mit der Verlegung der Schwerverletzten in Krankenhäuser der Hauptstadt Lima beginnen.

Ein Nachbeben der Stärke 6,0 hatte am Freitagvormittag (Ortszeit) neue Panik in Peru ausgelöst. Unterdessen suchten die Rettungsmannschaften in der Nacht zum Samstag weiter fieberhaft nach Überlebenden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude. Doch zwei Tage nach der Katastrophe wurde die Hoffnung der Helfer immer kleiner. Behördensprecher erklärten, es gehe nun auch darum, durch die schnelle Bergung der Leichen den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.

Schwierige Hilfslieferungen in zerstörte Gebiete

Nach Angaben der Feuerwehr kamen bei dem schweren Beben vom Mittwoch mindestens 510 Menschen ums Leben, über 1500 wurden verletzt. Fast 17.000 Gebäude waren amtlichen Angaben zufolge bei dem Beben am Mittwochabend (Ortszeit) eingestürzt. Allein im Departement Ica und in der Hauptstadt Lima wurden mehr als 85.000 Peruaner durch die Naturkatastrophe obdachlos. Das Geologische Institut in den USA (USGS) korrigierte die Stärke des Bebens von 7,9 auf 8,0.

Ica und Pisco waren knapp drei Tage nach dem Beben noch immer ohne Stromversorgung und ohne Trinkwasser. Allein in Pisco wurden 335 Todesopfer registriert. Tausende von Obdachlosen verbrachten am Freitag eine dritte Nacht im Folge im Freien. Andere übernachten in behelfsmäßigen Notunterkünften. Die Temperaturen fallen nachts fast auf zehn Grad. Die Hilfslieferungen wurden dadurch erschwert, dass im Erdbebengebiet viele Brücken eingestürzt und Straßen unpassierbar waren. Ein großer Teil der Güter musste mit Flugzeugen ins Erdbebengebiet gebracht werden.

Unter dem Eindruck steigender Opferzahlen hat die Europäische Union ihre Hilfe für Peru verdoppelt. Es sollen nun zwei Millionen Euro für Nothilfe in der betroffenen Region bereitgestellt werden, teilte die EU-Kommission mit. Am Donnerstag hatte die Behörde einen Betrag von einer Million Euro angekündigt. Die Hilfe soll etwa 50.000 Menschen zu Gute kommen, die besonders von den Erdstößen betroffen waren. Das Geld fließe unter anderem für Nahrungsmittel, Notunterkünfte und die medizinische Versorgung. (mit dpa)