Welt : Naturreservat: Grenzenloses Revier

Wolfgang Drechsler

Für Anton Rupert steht es außer Zweifel: Südafrika hat das Zeug zum Traumland. Es besitzt ein angenehmes Klima, wunderschöne Strände und eine solch vielseitige Natur, dass die staatliche Fremdenverkehrsorganisation Satour die Kaprepublik lange Jahre unter dem Slogan "Eine Welt in einem Land" vermarktete. "Vor allem aber haben wir eine Sache, nach der die ganze Welt dürstet: viel Platz", schwärmt Rupert, Südafrikas legendärer Geschäftsmann.

Diesen Platz zu schützen und so zu nutzen, dass alle Menschen des Landes davon profitieren, hat sich der inzwischen 84-Jährige zur Aufgabe gemacht. Für Rupert ist die Sache klar: "Der Tourismus ist der Schlüssel zur Entwicklung Südafrikas."

Zu Ruperts Visionen gehört es dabei, die staatlichen Grenzen im südlichen Afrika durchlässiger zu gestalten und den Tieren dadurch wie früher ein freieres Umherziehen zu ermöglichen. Natürlich steht diesem kühnen Konzept die Politik im Weg. Schließlich haben Afrikas Staaten die einst willkürlich gezogenen Kolonialgrenzen inzwischen für sakrosankt erklärt. Die Hindernisse haben den Enthusiasmus des legendären Geschäftsmanns indes nicht bremsen können. Nachdem Rupert in der Vergangenheit vor allem ein Vorkämpfer für ethische Geschäftspraktiken am Kap war und als erster unter der Apartheid gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlte, hat er sich seit einigen Jahren dem kostspieligen Aufbau grenzüberschreitender Nationalparks im südlichen Afrika verschrieben. Der erste davon mit dem Namen Kgalagadi, was in der Sprache der Buschmänner "Land des Durstes" heißt, wurde bereits im letzten Jahr durch den Zusammenschluss des Gemsbok National Parks in Botswana mit dem Kalahari Gemsbok National Park im äußersten Nordwesten von Südafrika geschaffen. Zusammen sind beide Parks fast 40 000 Quadratkilometer groß und übertreffen damit noch den weltweit bekannten Krügerpark im Nordosten der Kap-Republik. Die Größe erlaubt ungehinderte saisonale Wanderungen der Tierherden, allen voran der Oryx-Antilopen, was wegen der hier regional sehr unterschiedlichen Niederschläge besonders wichtig ist.

Rupert hegt Pläne für gleich acht weitere solcher Parks und hat zu diesem Zweck bei seinen zahlreichen Geschäftsfreunden in Europa viel Geld gesammelt. Das ehrgeizigste Projekt ist dabei ein gigantischer Park im Dreiländereck zwischen Südafrika, Mosambik und Simbabwe. Schon in wenigen Jahren soll hier der sogenannte GKG (Gaza-Krüger-Gonarezhou)-Friedenspark ein Areal von fast 100 000 Quadratkilomtern bedecken, was der Größe Portugals entspricht.

Besonderen Nachdruck legt Rupert auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die direkte Einbeziehung der Menschen, die nahe der Parks leben. Das ist schon deshalb nicht einfach, weil viele Schwarze Wildparks noch immer geringschätzig als "Spielplätze weißer Menschen" abkanzeln. Zu den Pluspunkten der neuen Parks zählt die Möglichkeit, Wilderei künftig gemeinsam zu bekämpfen sowie die Chance, bestimmte Tiergruppen von einem Park in den anderen zu verfrachten. Im Krügerpark leben zurzeit 9000 Elefanten mehr, als der Park ökologisch tragen kann. "Die Zusammenlegung der drei Areale hätte zudem einen hohen symbolischen Wert", sagt Leo Braack von der südafrikanischen Wildparkverwaltung, der das Projekt koordiniert. "Die Idee, Menschen und Tiere ungehindert über Staatsgrenzen wandern zu lassen, erfordert eine Zusammenarbeit zwischen Ländern, die noch vor kurzem völlig undenkbar schien."

Obwohl die erste Phase des GKG-Parks bereits Ende dieses Jahres anlaufen soll, ist der Weg dorthin mit Problemen gepflastert. Auf der simbabwischen Seite, wo Anhänger der regierenden Zanu-PF-Partei in den letzten Monaten illegal Land besetzt und viele Tiere, darunter auch streng geschützte Arten, gewildert haben, wird die Einhaltung des Gesetzes garantiert werden müssen. Auf der mosambikanischen Seite müssen hingegen erst viele im Bürgerkrieg gelegte Landminen geräumt werden. Viele der Minen, die eigentlich bereits geortet waren und nur noch gehoben werden mussten, sind durch die Jahrhundertflut im letzten Jahr an andere Stellen geschwemmt worden.

Daneben gehört Mosambik noch immer zu den ärmsten Staaten der Welt - und der vergleichsweise große Wohlstand im benachbarten Südafrika hat sich als starker Magnet für illegale Einwanderer von dort entpuppt. Ein Stacheldrahtzaun entlang des Krüger-Nationalparks wird deshalb auch ständig vom südafrikanischen Miltär patrouilliert. Noch bedenklicher stimmt, dass einige der Immigranten, die trotz des Zauns nach Südafrika gelangt sind, von Löwenrudeln gejagt und zerrissen wurden. Löwen, die sich an Menschenfleisch gewöhnt haben, müssen jedoch von den Wildhütern im Krügerpark schon deshalb getötet werden, weil sie möglicherweise als nächstes Touristen auf ihre Speisekarte setzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Mosambik zu arm ist, um den geplanten Park adäquat zu patrouillieren. Schon einmal gab es an seiner Südgrenze mit Südafrika einen kleinen grenzüberschreitenden Park. Doch als die vielen Elefanten, die durch eine alte Wildspur in einem Flussbett nach Norden wanderten, später nicht mehr zurückkamen, schloss Südafrika die Grenze. "Wir müsen von unseren Nachbarn zumindest einige Garantien erhalten, dass unsere Tiere nicht auf der anderen Seite von Wilderern erlegt werden", gibt Braack zu bedenken.

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