Naturschutz : 41.415 Tierarten auf der Roten Liste

Die Artenvielfalt der Erde schwindet immer schneller. Nicht nur der Gorilla gilt als "äußerst gefährdet": Laut Weltnaturschutzunion sind jede vierte Säugetierart, jede achte Vogelart und ein Drittel aller Amphibien bedroht.

Gorilla
"Schlimme Aussichten" für den Westlichen Gorilla. -Foto: dpa

GlandAuf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen 16.306 Arten, die vom Aussterben bedroht sind - 188 mehr als im vergangenen Jahr. Bedroht seien auch 70 Prozent der bekannten Pflanzen. Nur eine einzige Art wurde im Vergleich zum Vorjahr herabgestuft: Der Réunion-Sittich (Psittacula eques) gilt nicht mehr als "äußerst gefährdet", sondern fortan als "gefährdet".

Die Liste zeige, dass noch nicht genug für bedrohte Arten getan werde, sagte die IUCN-Generaldirektorin Julia Marton-Lefèvre bei der Veröffentlichung der Roten Liste im Schweizer Gland. Die Geschwindigkeit des Verlustes der Artenvielfalt nehme weiter zu. Die Zahl der registrierten ausgestorbenen Arten sei auf 785 gestiegen, und 65 gebe es nur noch in Gefangenschaft.

Die IUCN sprach von "schlimmen Aussichten" für den Westlichen Gorilla (Gorilla gorilla), der unter anderem in Gabun und Kamerun lebt. Die Population habe sich allein bei den Westlichen Flachlandgorillas in den vergangenen 20 bis 25 Jahren um etwa 60 Prozent verkleinert. Die Art sei deshalb von "gefährdet" auf "äußerst gefährdet" hochgestuft worden. Die Existenz der Affen sei unter anderem von Wilderern bedroht, die das Fleisch erlegter Tiere verkauften.

Ebola bedroht Gorillas

Eine Gefahr stelle auch das tödliche Ebola-Virus dar. Ein Drittel der in Schutzgebieten lebenden Westlichen Flachlandgorillas sei in den vergangenen 15 Jahren durch das Virus getötet worden. Schätzungen gingen von noch insgesamt 4000 bis 5000 Tieren in freier Wildbahn aus. Mitte der 90er Jahre seien es noch um die 17.000 gewesen.

"Die Neueinordnung des Westlichen Gorillas als stark gefährdete Art stimmt uns hoffnungsvoll", sagte Peter Walsh vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. "Endlich einmal kümmern wir uns, bevor es zu spät ist." In den vergangenen Jahren sei zugunsten anderer Maßnahmen wie dem Ökotourismus die Strafverfolgung von Wilderern vernachlässigt worden. Zudem müssten nun verstärkt Impfstoffe gegen Ebola erprobt werden. Auf der Roten Liste steht auch der Orang-Utan, dessen Lebensraum durch Holzfällung für Palmölplantagen auf Borneo und Sumatra zerstört werde.

Auch Korallen werden gelistet

Zum ersten Mal finden sich Korallen in dem Werk. Zehn davon leben im Gebiet um die Galápagos-Inseln. Auch einige Geierarten wurden in die Aufstellung der gefährdeten Tiere übernommen. Die Vögel sind der IUCN zufolge besonders in Asien und Afrika in ihrer Existenz bedroht. Schuld seien unter anderem giftig wirkende Arzneimittel, Insektizide und das Fehlen von Nahrung, da in einigen Regionen immer weniger Herden frei umherzögen.

Als "äußerst gefährdet" wird auch der chinesische Flussdelfin Baiji geführt. Bei einer Exkursion im November und Dezember 2006 seien im Fluss Jangtse keine Tiere mehr gefunden worden, teilte die IUCN mit. Im August diesen Jahres habe es eine Sichtung gegeben, die aber weiter geprüft werden müsse. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse werde der Delfin noch nicht als "ausgestorben" geführt.

Auf der Roten Liste stehen derzeit 12.043 Pflanzenarten, wovon 8447 als gefährdet gelten. Dazu gehört erstmals auch die Wilde Aprikose (Armeniaca vulgaris) aus Zentralasien, deren Ableger in vielen Ländern kultiviert wurde. Sie ist ein Opfer von Bebauungen und Rodungen zur Holzgewinnung oder für die Landwirtschaft. Insgesamt sterben laut IUCN derzeit 100 bis 1000 Mal so viele Arten aus, wie es in der natürlichen Evolution geschen würde.

"Vor fünf Jahren versprachen die Regierungen auf dem Weltgipfel in Johannesburg eine Trendwende beim Artensterben bis 2010", sagte Stefan Ziegler von der Umweltstiftung WWF. "Seitdem ist die Zahl der Arten auf der Roten Liste um 44 Prozent von 11.167 auf 16.306 bedrohte Arten angestiegen." Eine radikale Umkehr sei nötig, um den Verlust wertvoller Lebensräume und die Ausbeutung zahlreicher Arten zu stoppen. (mit dpa)

Internet: www.iucn.org